Sturm auf den Vulkan 2014

10. Sturm auf den Vulkan 2014

10.05.2014

Heute war es mal wieder soweit, der Sturm auf den Vulkan stand an. Von Schotten auf den Hoherodskopf wollten auf 13,5 Kilometer ganze 550 Höhenmeter bewältigt werden!

Bei grauem Himmel machte ich mich auf nach Schotten, um mich noch nachzumelden. Geplant hatte ich dieses Rennen in diesem Jahr nicht. Nun  hatte doch Zeit gefunden, da es das letzte Urlaubswochenende war.

Um 15 Uhr sollte der Startschuss fallen. Frühzeitig wurde die Startnummer am Lenker angebracht und eine kleine Testrunde gedreht.

Mein MTB fühlte sich verdammt schwer an. Mein Knie zwickte etwas und meine Beine wollten auch nicht so recht. In letzter Zeit war ich überwiegend mit dem Cyclocross unterwegs. Bereits beim warm fahren tat ich mir schwer, mich auf den breiten grobstolligen Nobby Nic von Schwalbe umzugewöhnen. Dazu hatte ich den Kopf einfach nicht für ein Rennen frei.

So reihte ich mich kurz hinter der Startlinie ein um den Startschuss abzuwarten. Warm war ich nicht, was für den ersten leichten Anstieg nicht gerade von Vorteil war. Dazu kamen die 50-70kg Spargel, gegen die ich mit meinen Schwergewichtigen 95kg ohnehin nicht viele Chancen sah.

Aber wie auch immer, bei einem Bergsprint fehlen mir halt die steilen Singletrails wo ich mit haarsträubenden Abfahrten die verlorenen Zeiten wieder rein holen kann.

Außerdem sollte auch dieses Rennen nur ein Training für die Alpenauffahrten sein!

Ich hoffte dennoch auf ein bisschen Regen, damit ich im zweiten Teil der Strecke, der weit aus schlammiger wird, aus meinen Reifen profitieren konnte. Zunächst ging es aus Schotten raus, eine leichte Steigung bis der Weg nach dem ersten Kilometer wieder von Schotter auf Asphalt wechselte. Noch war es trocken. Aber jetzt zog die Steigung das erste Mal richtig an. Steil ging der nächste Kilometer aufwärts.

Nach der ersten Herausforderung kam eine kleine Abfahrt. Schnell quetschte ich mir ein Gel zwischen die Lippen und spülte die klebrige Masse mit einem großem Schluck Wasser runter. Irgendwie spürte ich nur Pudding in meinen Beinen und fragte mich wie man sich das schon wieder antun kann. Man setzt sich 2 Std ins Auto und bezahlt dazu noch 7 Euro um sich so einen verdammten Berg hoch zu quälen!

Dazu kam, dass das für die nächsten 7-8 Kilometer die einzige Erholungsphase sein sollte.

Nun begann es auch zu regnen. Nicht nur ein paar Tropfen, nein, es musste gleich einen starken Regenguss geben, und enden wollte er auch nicht mehr…

Wir bildeten mit drei Mann eine Gruppe und quälten uns gemeinsam. Wir hatten wohl alle drei den Renngedanke verloren und wollten nur noch hoch an das Ziel kommen. Kilometer für Kilometer schraubten wir uns Höhenmeter für Höhenmeter hoch Richtung Fernsehturm. Obwohl der noch lange nicht zu sehen war. Das erste Mal, als man an der Taufsteinhütte aus dem Wald raus kam.

Bis Kilometer 11 führte der Weg überwiegend über Forstwege, jetzt bog die Strecke auf ein Teilstück des Wildsau-Trails. Danach wieder auf einen Forstweg und damit auf eine kurze Abfahrt. Die letzte kurze Erholungsphase vor dem letzten Anstieg. Der Trail war natürlich schon schön aufgeweicht. Dicke Schlammklumpen spritzen aus dem groben Stollenreifen. Meine Brille war sofort verschmiert. Als ich sie absetzte, flog mir die Pampe in die Augen und konnte nicht wirklich von dem Grip der Stollenreifen profitieren. Halb blind schlingerte ich über die Trail-Passage und musste dazu noch aufpassen, dass ich nicht noch ein paar Nordic-Walker über den Haufen fuhr.

Bis ich auf die kurze Abfahrt kam, war meine Sicht wieder klar. Nur die zwei aus meiner Gruppe waren mittlerweile weit vor mir.

Mhm, jetzt Speed zu geben machte meinen Beinen nach noch nicht viel Sinn. Ich nutzte lieber die kurze Erleichterung um nochmals Kraft zu tanken. Denn, ich wusste was dann kam… die Strecke bog von dem Forstweg ab auf ein Trail. Große Schlammpfützen, Aalglatte Wurzeln und tiefe Reifenspuren brachte zum ersten Mal ein Vorteil.

Nach der ersten wurzeligen Passage konnte ich den Ersten, jetzt wieder Kontrahenten, einholen. Nur der Zweite, der hatte bereits den Wald an der Taufsteinhütte verlassen, er sollte noch einmal eine Herausforderung werden.

Auf der Wiese tat er sich aber scheinbar schwer und ich konnte Meter für Meter gewinnen. Auf der Hauptstraße hatte ich ihn dann. Mit einem weitem Sprung ins nasse und schlammige Gras konnte ich überholen. Jetzt stand der letzte Anstieg an. Man konnte schon die Lautsprecherdurchsagen vom Zielbereich wahr nehmen!

Aber mein Kontrahent wollte auch nicht kampflos den Rang abgeben und wir lieferten uns mit letzter Kraft ein Kampf um diesen einen Platz.

Leider kam er nicht mehr ganz an mich ran und ich konnte mit 2 Sekunden Vorsprung über die Matten der Zeitnahme rollen. Völligst durchnässt, verschlammt von Kopf bis Fuß, und erschöpft kramte ich mit eisigen Fingern ein Geldschein aus meiner Tasche.

Eine Waffel und ein großer Kaffee sollten mich zunächst mal aufpäppeln, bevor ich mich auf die Suche nach meiner Jacke und meinen Beinlingen, die mit dem Gepäcktransport auf den Berg kamen, begab. Nach einer Möglichkeit den Schlamm von den Beinen zu wischen suchte ich auch nicht mehr. Ich zog einfach die Beinlinge drüber, streifte die Jacke über mein verschlammtes Shirt und fertig.

Es wollte einfach nicht aufhören zu regnen. Im Gegenteil, Nebel zog dazu noch auf. Die Temperatur lag im einstelligen Bereich. Zum Glück hatte ich mich in letzter Minute noch entschieden, meine Wasserdichten Neopren-Überschuhe anzuziehen. Unvorstellbar, wenn jetzt noch die Schuhe durchweicht gewesen wären.

Lust auf die Abfahrt nach Schotten hatte ich eigentlich gar keine mehr. Aber was blieb mir andere übrig? Viele hatten zwar was von einem Bus gesagt, aber bis die Räder auf dem Anhänger verstaut und in Schotten wieder abgeladen wären, war ich auch unten angekommen.

So machte ich mich auf den Weg und rollte die Wiese wieder runter in Richtung Taufsteinhütte. Die frischen Beinlinge waren natürlich auch gleich verschlammt und nass. Das Hinterrad schleuderte den Schlamm bis in den Nacken und die Finger waren so kalt, dass jeder Schaltvorgang zur Qual wurde. So entschied ich mich für einen mittleren Gang und vermied jede weitere Bewegung bis auf das Betätigen der Bremsen.

Nun kam ich wieder auf den Windsau-Trail. Ebenfalls total verschlammt und teils mit tiefen Wasserrinnen, machte die Scheiße auf einmal wieder Spaß! Nicht ganz so Risikofreudig aber immer noch flott unterwegs, prügelte ich das MTB den Trail abwärts in Richtung Schotten.

Ach nee, jetzt war ich auf einmal wieder fit? Oder war es der Spaßfaktor der mich antrieb?

Die restliche Strecke ließ ich über die Hauptstraße hinter mir. Am Auto angekommen, tröpfelten nur noch wenige Tropfen vom Himmel. Notdürftig wischte ich mir mit Papiertücher von der Rolle den Schlamm von Armen, Beinen und dem Gesicht. Schlammverschmiert, aber mit sauberen Klamotten schwang ich mich in mein vorgeheiztes Auto und genoss die Sitzheizung.

Bisschen enttäuscht über das Rennen begab ich mich auf den Heimweg. Zumindest der Spaßfaktor bei der Rückfahrt konnte einiges wieder gut machen. Auch wenn es ein schlammiger, nasser und frostiger Tag war…

Marco Schindler
cyclotourer.de
belegte mit einer Zeit von
0:50:19,0 h
den 19. Platz in der
Altersklasse Herren

Bis zum nächsten Jahr!

Vielen Dank für die Unterstützung durch:

   

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