Erste RR Transalp

Copyright Marco Schindler

Alias:

www.cyclotourer.de

Warum Trans Alp?

Auch im Jahr 2014 wollte ich eine neue Tour starten und so war ich auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Schon lange reizten mich die Alpen. Und da ich mit meiner letzten Tour, der Winters-Hotel-Tour, einige Höhenmeter hinter mir lassen konnte, wollte ich mich in diesem Jahr an eine neue Herausforderung wagen.

Natürlich war es nichts Neues mehr die Alpen mit dem Fahrrad zu überqueren. Nachdem Hans Ertl und Franz Schmid, und sie waren mit Sicherheit nicht die Ersten, im Jahre 1931 den Reschen Pass mit dem Fahrrad überquerten, sind mittlerweile jährlich weit über 10.000 Radfahrer in den Alpenregionen zu finden.

Für mich war es jedoch die erste Trans Alp. So musste ich mir zunächst überlegen mit welchem Fahrrad, mit meinem Mountainbike (Focus Redskin) oder meinem Cyclocross (Focus Mares CX2.0), ich die Herausforderung angehen wollte.

So durchforstete ich das Internet und suchte nach verschiedene “Wege“ und Möglichkeiten, um über die Berge zu kommen. Hierbei war ich auf die Internetseite von Andreas Albrecht gestoßen.

Umfangreiche und beeindruckende Berichte und Tipps rund um die Alpenüberquerungen, sind auf seiner Homepage zu finden. Seine beschriebene Rennradroute nahm mir dann jedoch schnell die Entscheidung ab. Ich entschied mich für mein Cyclocross Mares CX2.0 von Focus und somit für die befestigten Straßen.

Ich nahm mir vor, die von Andreas beschriebene Route nachzufahren. Der Reschenpass (Höhe 1504m), das Stilfersjoch (2757m), sowie der Ofenpass (2149m), gehörten hierbei zu drei von einigen Highlights und über zweitausend Meter hohen Gipfeln. Bewegt sollte sich durch bzw. über Österreich, der Schweiz bis auf italienischen Boden.

Mit ca. 500 Kilometer und über 11.000 Höhenmetern sollte meine erste Transalp eine besondere Herausforderung werden.

Aber was reizte mich bisher immer so sehr, ausgerechnet die Alpen mit dem Fahrrad zu überqueren?

In Deutschland haben wir auch genug Berge, die bewältigt werden konnten. Schöne und landschaftlich reizvolle Mittelgebirge, die ebenso einige Höhenmeter zu bieten hatten…

Klar war, es war wieder ein Stück die Sehnsucht “unterwegs“ zu sein. Frei zu sein vom Alltag, abzuschalten vom Job und anderen Verpflichtungen. Vielleicht war es auch wieder die Suche nach dem besonderen Etwas? Eine scheinbare Barriere mit eigener Kraft zu überwinden. Die Alpen sind sicherlich eine andere Hausnummer als eine Tour durch Deutschland. Hier sind einige Faktoren mehr zu planen und zu beachten, als bei den Routen quer durch die Bundesrepublik. Hier wird es mit Sicherheit auch Tage mit Tiefpunkten geben. Aber sicherlich werde ich auch nach dieser Tour voller Freude auf die Tage zurückblicken.

Was natürlich nicht neu ist und viele Leser meiner Tourenberichte immer wieder wundert ist, dass ich auch dieses Mal alleine starten werde. Immer wieder werde ich gefragt warum ich nicht ein paar Leute zusammen hole um in Gemeinschaft die Touren zu starten.

Es ist ganz einfach. Ich möchte mich nicht abstimmen müssen. Ich möchte mein Tempo fahren, meine Pausen einlegen, wie mein Körper sie braucht. Für einen Schnappschuss oder einem besonderen Moment einfach anhalten und den Moment genießen. Im Berufsleben ist man durch Vorschriften und Bestimmungen auf strukturierte Abläufe angewiesen. So opfere ich meinen Urlaub für meine Touren um auch die freien Tage frei genießen zu können. Ich möchte mich nicht abstimmen, ob mein Partner ebenfalls Lust auf einen Kaffee hat, ob er sich den nächsten Berg noch mit hoch quälen will, oder was auch immer gerade in diesem Moment sein mag.

Klar ist dabei auch, dass man langweilige Momente verspürt. Ewige Aufstiege, verregnete Stunden oder gar Tage. Öde Tage, wo es hier und da im Körper zwickt oder die Oberschenkel brennen. Wo man sich fragt, warum man sich diesen Trip überhaupt antut und sich wünscht, man hätte jemanden, der das Leid mit einem teilt. Solche Tage die einen mental auslutschen. Wo der Kopf sich mehr gegen den nächsten Tritt in die Pedale wehrt, als der Körper. Aber dann kommen wieder die Momente, wo man nach unzähligen Höhenmetern auf der Bergkuppe ankommt und ewig weit ins Land schauen kann…

Es mag sich für den einen oder anderen vielleicht etwas egoistisch anhören, aber das sind die Momente die mich dann wieder für die mentalen Tiefpunkte belohnen. Die Momente, die ich einfach für mich haben möchte und nicht teilen mag. Und so kann ich nach jeder Tour erzählen, dass ich das Gefühl von Freiheit wieder über mich kommen lassen konnte und, dass man sich trotz den körperlichen Strapazen mental erholen konnte.

Eigentlich stehe ich noch ganz am Anfang meiner Planung, trotzdem konnte ich schon jetzt die ersten zwei Sponsoren gewinnen. BikeMax sagte mir ja nach meiner letzten Winters-Hotel-Tour mehr oder weniger zu. Jetzt laufen explizite Verhandlungen. Wie es ausschaut, wird Bike Max wieder mit agieren.

Hoch erfreut war ich über die E-Mail von Familie Bleicher von www.transalp-shuttle.com, die nach kurzer Anfrage auf ein kostengünstiges Leihgerät ihrer angebotenen Outdoor-Navis, kurzerhand kostenlos eins zur Verfügung stellten. www.transalp-shuttle.com bieten Navis für sämtliche Aktivitäten in der Natur an. Ob Wander- oder Fahrradrouten, man bekommt ganz nach seinen Bedürfnissen die Streckenführung auf das Navigationsgerät gezogen. Einschalten und starten sind die einzigen Dinge die man noch selber machen muss. Dazu wird ein Shuttle-Service angeboten. So wartet das eigenen Fahrzeug / PKW bereits am Zielort der Tour auf die Heimreise.

Eine weitere Inspiration und große Planungshilfe war mein Nikolausgeschenk von diesem Jahr. Nadine schenkte mir das Buch “Alpencross“ Ostalpen von Achim Zahn. Ein dickes Buch mit sämtlichen MTB-Routen über die östlichen Alpen, dazu Tipps zur Planung, Tourentaktik, Ausrüstung Wetterkunde usw. Also alles Wichtige was man für eine gute Tour brauchen konnte.

Der Starttermin sollte voraussichtlich am 6.6.2014 sein. Mein Startpunkt war noch nicht ganz sicher. Entweder wollte ich mit einem Plus von hundert Kilometern in München starten, oder aber direkt in Garmisch-Partenkirchen. Ziel der Tour ist Torbole am Gardasee, das war fest geplant.

Hier die wichtigsten Tourdaten:

Garmisch – Mittenwald – Seefeld – Telfs -Imst Bhf.- Pillerhöhe – Pfunds Norbertshöhe – Reschenpass – Prad – Stilfser Joch – Pass Umbrail – Münstertal – Ofenpass – Livigno – Passo del Foscagno – Bormio – Pass Foppa – Passo Tonale – Madonna di Campiclio – Pinzolo – Passo Daone Zuclo – Passo Duron – Passo Ballino – Gardasee
Tag Strecke km HM
1. Tag München – Garmisch P. – Mittenwald – Leutasch – Seefeld 140 650
2. Tag Seefeld – Mösern – Telfs – Imst – Arzl – Wenns – Pillerhöhe – Kauns – Prutz – Pfunds – Martina (CH) – Norbertshöhe – Nauders – Reschen – Mals – Prad – Trafoi 157 2750
3. Tag Trafoi – Stilfers Joch – Pass Umbrail – St. Maria im Münstertal – Ofenpass – Punt la Drossa – Livigno – Passo d´Eira – Passo del Foscagno – Amoga – Bormio 108 2850
4. Tag Bormio – Le Prese – Passo Foppa – Monno – Passo Tonale – Mezzana – Dimaro – Madonna di Campiglio 118 3150
5. Tag Madonna di Campiglio – Pinzolo – Spiazza – Passo Daone – Preore – Zuclo – Passo Duron – Fiave – Passo Ballino – Riva – Torbole 79 1400
260
6. Tag Torbole – Nago – Mori – Rovereto Bhf – Brenner – Innsbruck 56
~ 600 km
~ 11.000 HM aufwärts

Warum plant man denn die Tour denn schon über 6 Monate im Voraus? Schließlich weiß jeder der meine Berichte und Aktivitäten verfolgt, dass ich nie viel Zeit mit Planung und Organisation verbringe und mehr oder weniger drauf losfahre?

Ganz einfach: die Alpen sind wie sich jeder denken kann, eine ganz besondere Hausnummer. Zu den unzähligen Höhenmetern kommen noch einige Faktoren, wie Wetter und die nötige Bekleidung dazu. Auch Ersatzschläuche und Verschleißteile, wie Bremsbelege, bekommen bei diesem Trip eine ganz andere Bedeutung als bei meinen Deutschlandtouren.

Dazu muss man auch mal mit Schnee und Schlechtwettereinbrüchen rechnen. Und erfrieren möchte ich auf über 2000 Meter Höhe ja auch nicht. Deshalb werde ich dieses Mal nicht mein knapp 4kg (leichtes) Reisegepäck halten können.

Das einzige was ich hier nicht planen werde sind wie immer, die Übernachtungen. Die Übernachtungsmöglichkeiten werde ich auch bei dieser Tour dem Zufall überlassen und behalte mir die Freiheit meinen Tag zu beenden, wann ich das mag. Klar muss man dann während der Tour genauer einschätzen was für Etappen man noch schafft, ob man kleinere Risiken eingeht und sich noch über den nächsten Pass quält, ohne in der Finsternis zu enden. Oder ob man einen Tourentag einfach frühzeitig beendet, um sich etwas anzusehen.

Das bisschen Risiko lass ich mir nicht nehmen. Bisher habe ich immer ein warmes Bett gefunden. Warum sollte es auch dieses Mal nicht so sein!? Außerdem bekommt man als Einzelperson eher ein Zimmer, als wenn man mit einer Gruppe unterwegs ist.

Auch körperlich muss ich mich wohl intensiver auf diese Tour vorbereiten. Spinning, Rudern und Schwimmen sollen in den Wochen zuvor meine Kondition wieder auf trapp bringen. Sobald die kalte Jahreszeit dem Ende zugeht, kommt das Radfahren in der Natur natürlich wieder dazu.

So verzeichne ich von September 2013 bis zum Tourenstart einen Tachostand von rund 3000 Kilometer auf dem Cyclocross, plus weit über 1500 Kilometer auf dem Mountainbike.

Packliste:

Zum Radeln:
– 1x Satz Trikot  (Hose+Shirt Biehler BikeWear Designdruck)
– 1x Windweste (Biehler BikeWear Designdruck)
– 1x Funktionsunterhemd (Gore Windstopper Membran)
– 1x Armlinge / Beinlinge (Gonso)
– 1 lange Radhose (GoreBikeWear Alp-X2.0 Gore-Tex AS
– 1xSoftshell Jacke lang (GoreBikeWear Windstopper Membran)
– 1P. Fahrradüberschuhe  (Mavic ergoaccess Warmshell ST)
– 1P. Fahradschuhe (Shimano)
– 2P. Funktionssocken
– 1 Funktionsshirt (auch für abends)
-1x Buff
– 1x Handschuhe warm
– 1x Handschuhe kurz
– Radbrille
– Radhelm
– Radschuhe
Für abends
– 1x TrikotShirt Biehler BikeWear (Design vom letztem Jahr)
– 1 x kurze Hose
– 1x Jacke (siehe oben Softshelljacke)
– 1x lange Hose (siehe lange Radhose)
– 2x U-Hosen
– 2P Socken (Funktionssocken im Wechsel siehe oben)
– 1 kl. Handtuch
Werkzeug:
– Multitool
– 1x Ersatzschlauch
– Reifenheber
– 2x Kettenschlösser
– Panzertape
– Kabelbinder
– Flickzeug
– 1 x Kettenöl
– Luftpumpe
– 1 Satz (4x) A35Ersatzbremsbeläge
– kleines Schloss
Für die Verpflegung:
– Getränkepulver (Portionstütchen)
– 10 Energie-Gel
– 10 Müsliriegel
– Magnesium
Erste Hilfe / Körperpflege:
– Rettungsdecke Alu
– Voltaren
– Zahnbürste u. co
– kl. Erstehilfe-KIT
– Sonnenschutz
– Duschgel (Probepäckchen auch für Trikotwäsche)
– Zahncreme/-Bürste
– 1x Handtuch klein
Technik:
– Batterien für Lampen und Navi (www.transalp-shuttle.com)
– Ladegerät Iphone
– Ladegerät für Schaltung Shimano Ultegra Di2
– Foto (Sony Cybershot DSC W12) + Batterien
– Kartenmaterial (Andreas Albrecht www.transalp.info)
– 8x Dieselhandschuhe von Tankstelle (Tipp von Andreas Albrecht)
Gewicht:
Tasche mit Sattelstangenklemme (Vaude) ca. 4 kg incl. Tasche
Rucksack (Deuter Compact EXP 12+2 Liter ca. 3 kg incl. Rucksack
insgesamt: ca. 7 kg

Der Tourenstart

Da ich einen Tag zuvor mit dem Zug nach München reiste, konnte ich ganz entspannt meinen ersten Tourentag angehen. Wie von den Winters Hotels gewohnt, war das Frühstück reichhaltig und ich konnte mit vollem Bauch den Tag beginnen.

Herr Schwarz, der Direktor des Winters Hotel in München, verabschiedete mich und gab mir die besten Wünsche im Namen der Winters Hotel Company mit auf dem Weg.

Das bereits eingeschaltete Navi zeigte punktgenau meine Position an. Jetzt musste ich nur noch der markierten Linie folgen. Wie es mir Steffi und Bernd von www.transalp-shuttle.com im Vorfeld versprachen, musste ich das Navi wirklich nur einschalten und losfahren.

Zu ihrem ohnehin geleisteten Service und ihre Mühe war ich schon nach den ersten fünf Metern begeistert wie einfach das System funktionierte.

Doch meine Begeisterung verflog nach fünf weiteren Metern, im wahrsten Sinne des Wortes, schlagartig! Irgendetwas schliff fürchterlich an meinem Hinterrad. Ich dachte zunächst an die Bremse.

Wurde vergessen die Bremsbeläge festzuziehen? Hing ein Bremsbelag an der Felge und gab dieses Geräusch von sich? In dem Moment als ich stehen blieb um die Ursache festzustellen, fiel auch schon meine Klemmtasche, die eigentlich fest an der Sattelstütze hing, zu Boden. Schnell war klar, die Halterung war hinüber.

Na Super, dachte ich. Das fängt ja schon mal gut an!

Schnell stellte ich fest, dass die Kunstoffbuchse, in der der Schraubenkopf saß, ausgebrochen war. Ich spielte mit dem Gedanken, zum BikeMax in München zu fahren. Nur mit der Hoffnung, dass sie die Halterung überhaupt einzeln auf Lager hätten, hätte ich jedoch in die entgegengesetzte Richtung gemusst.

Um zu schauen was es noch für Möglichkeiten gab, schraubte ich die Halterung erst einmal ab. Die Schraube war zumindest schon mal lang genug um was zu basteln. Eine Unterlegscheibe könnte die Lösung sein. Und diese hatte eine Fiat-Werkstatt in der Schublade. Eine einfache Unterlegscheibe gab den nötigen Halt und ich konnte mit etwas Verzögerung meine Tour endgültig starten.

Das Navi machte es wirklich einfach und führte mich von Kreuzung zu Kreuzung aus München heraus.

Endlich war ich die lästigen Ampeln und den Stadtverkehr los. Nun konnte ich an Fahrt gewinnen und mein gewohntes Tourentempo aufnehmen.

       Sanft hügelig ging es durch das südbayrische Land. Ich wollte es noch gar nicht richtig glauben, dass jetzt die langersehnte Tour begonnen hatte. Über 6 Monate beschäftigte ich mich mal mehr und mal weniger mit diesem einen Tag. Und nun konnte ich von den Anhöhen aus bereits die schneebedeckten Gipfel der Alpen sehen.

Jetzt gab es aber auch kein Zurück mehr! Jetzt war wohl der schlechteste Zeitpunkt den Hintern einzuziehen und einen Rückzieher zu machen. Aber was sollte schon schief gehen? Jede Tour verlief bisher ohne eine Panne oder irgendwelche Zwischenfälle.

Bereits nach 10km überholte ich an einer leichten Steigung einen älteren Rennradfahrer. Dieser klemmte sich in meinen Windschatten um etwas Erleichterung zu haben. Nachdem wir unser Weg auf einen flacheren Teil fortsetzten, stellte er sich als Xaver vor. Er befragte mich nach meinem Vorhaben und erzählte mir, dass er jeden Tag zwischen 50 und 150 km fahren würde. Da er einen Tag zuvor seine lange Tour hatte, würde es ihm heute etwas an Zug fehlen und wäre froh, dass ich ihn etwas mitziehen würde.

So teilten wir uns fast die nächsten zwanzig Kilometer. Einmal fuhr er voraus und erleichterte mir die Fahrt, dann überholte ich wieder ihn, und zog ihn wieder einige Kilometer mit.

Doch an einer Kreuzung gab es ein Missverständnis. Aufgrund des Verkehrs wurden wir etwas getrennt, er fuhr an der Kreuzung, an der ich abbiegen sollte, vorbei. Lautes Rufen konnte er aufgrund der Entfernung nicht mehr hören. Scheinbar hatte er dann aber auch keine Lust mehr noch mal zurückzukommen. Mit Winken verabschiedeten wir uns und jeder setzte seinen geplanten Weg weiter fort. Schade, er war ein netter Zeitgenosse und hatte einige Dinge über die Region zu erzählen.

Die Alpen kamen langsam näher. Als ich das Ortsschild von Bichl passierte, hatte ich bereits fast 70km auf meinem Tacho stehen. Obwohl ich noch keinen großen Hunger hatte, wollte ich meinen Zuckerhaushalt schon mal auffüllen. Außerdem kam ich gerade an einer Bäckerei vorbei, die einen einladenden Eindruck machte. Ein weiterer Plan war, dass ich öfters kleinere Pausen mit Snacks einlegte, um somit das Mittagessen, welches zeitlich aufwändiger wäre, sparte.

So einladend wie die Bäckerei aussah, so lecker waren auch die süßen Teilchen. Nach einer kurzen Pause schulterte ich wieder meinen Rucksack und trat kraftvoll in die Pedalen.

Bis zum Kochelsee lief es mit kaum spürbaren Steigungen weiter. Zunächst musste ich durch Kochel, bis ich an das Ufer des Sees gelangte. Ich blieb kurz stehen und genoss den Blick auf das glasklare Wasser. Ein einziger Schwan war auf dem Wasser zu sehen.

Die ersten ernsten Höhenmeter und damit längeren Steigungen warteten jetzt auf mich. Da ich überwiegend auf Fahrradwegen und kleinen Landstraßen unterwegs war, blieb ich bis jetzt vom Straßenverkehr verschont. Würde sich das jetzt ändern?

Ich schwang mich wieder auf mein Rad und setzte meine Tour weiter fort. Immer mit einem Auge auf das Navigationsgerät, damit ich meine Route nicht verließ. Aber dieses Gerät macht es einem schon schwer, überhaupt von der Route abzukommen.

Nun ging es die ersten Serpentinen aufwärts. Und auch das Gepäck mit den rund 7kg machte sich nun bemerkbar. So ganz hatte ich mich auf den rund 80km noch nicht an die zusätzliche Belastung gewöhnt. Der Rucksack von Deuter saß mit seinen ca. 3kg gut auf dem Rücken. Die Tasche an der Sattelstange kannte ich ja schon von der Winters-Hotel-Tour. Musste mich nur wieder an das andere Fahrverhalten des Fahrrads gewöhnen. In den letzten Monaten gab es keinen Bedarf mit dieser Tasche durch die Gegend zu fahren. Wobei sich die Tasche nur im Wiegetritt richtig bemerkbar machte. Bei normalem Fahren in sitzender Position nahm man nur das zusätzliche Gewicht wahr. Was die Tasche anging, war ohnehin das wichtigste, dass die Halterung die Tour durchhielt.

Obwohl ich jetzt auf der Landstraße unterwegs war, hielt es sich mit dem Straßenverkehr auch in Grenzen. Einige Motorradfahrer überholten mich und legten sich in die Kurven, als gäbe es kein Morgen mehr.  Aber ansonsten war der erste Anstieg eher ruhig.

Ein kleiner Parkplatz an der obersten und letzten Kurve des Anstiegs gab nochmal einen Blick weit über den See hinaus.

Nachdem ich den höchsten Punkt mit 859m.ü.NN passierte ging es zunächst wieder etwas bergab.

Der nächste See, der Walchensee, ließ nicht lange auf sich warten. Bereits während der Abfahrt konnte ich auch ihn weit überblicken.

An der Uferstraße musste ich den See zur Hälfte umrunden. Das Navi zeigte mir eine gerade Linie über den See an. Ich ging zunächst davon aus, dass eine Fähre gemeint sein könnte. Aber eine Fähre war weit und breit nicht zu sehen. Also fuhr ich am Ufer durch kleine Tunnel und Galerien, bis ich am südlichen Ende, am Campingplatz ankam.

Jetzt ging es etwas entgegengesetzt am Ufer entlang. Ein Postauto nervte mich ein wenig. Er überholte mich schon seit einiger Zeit, um dann seine drei Briefe bei den einzelnen Häusern einzuwerfen. In der Zeit war ich natürlich wieder an dem Postboten vorbei. Er startete sein Wagen erneut und klebte mir wieder am Hinterrad. Ungeduldig trat er immer mal auf das Gaspedal um zu signalisieren, dass er wohl keine Zeit oder keine Geduld habe. Also ließ ich ihn wieder auf dem schmalen Weg vorbei, um ihn am nächsten Wohnhaus wieder einzuholen.

Mit dem kleinen Örtchen Einsiedl sollte ich den Walchensee verlassen und somit auch den Postboten los.

Das Navi führte mich auf einem Fahrradweg parallel zur Walchensee-straße und später nach dem Ort Krün, parallel zur Karvendelstraße weiter.

Auf den Wiesen waren die Landwirte fleißig am Heu machen. Die Wetterprognose war ja für die nächsten Tage ideal, die Heuernte einzufahren.

An den steilen Hängen wo keine Maschinen das Heu wenden und zusammen fahren konnten, waren meist die ganze Familie von klein bis groß, oder besser von jung bis alt mit ihren Rechen und schufteten in der Mittagshitze.

Mit ganz moderaten Steigungen ging es weiter bis nach Mittenwald. Jetzt hatte ich etwa hundert Kilometer auf meinem Tacho und ich fühlte mich wohl. Ich war bereits jetzt von der Landschaft überwältigt. Mit jedem Kilometer genoss ich die Natur. Ich fühlte mich bereits jetzt schon wie bei den anderen Touren, frei. Frei vom Alltag, vom Beruf und den sonstigen Verpflichtungen, die man über das Jahr verteilt hat. Ich freute mich mit jedem Kilometer über die Eindrücke und war gespannt auf das, was mich die nächsten Tage erwarten würde.

 Die Temperatur stieg bis weit über die dreißig Grad und meine Kehle fühlte sich trocken an. Da meine Wasserflaschen schon eine geraume Zeit leer waren und ich an keinem Brunnen oder Geschäft vorbei kam, fragte ich kurzerhand einen Anwohner, der gerade seinen Garten bewässerte, ob er mir die Flaschen füllen könnte. Das sollte natürlich kein Problem darstellen und nach kurzem Smalltalk setzte ich meine Tour mit gefüllten Flaschen fort.

Mir fiel nun sogar selber auf, dass ich viel öfter stehen blieb um Bilder zu machen. Das ist dann auch der Grund, warum dieser Bericht auch aus viel mehr Bildern besteht, als gewohnt.

Ich fuhr durch Mittenwald und passierte die Grenze zu Österreich.

Danach folgte ein längerer Anstieg zur Leutasch. Ich kam entlang des Wettersteingebirges durch mehrere kleine Dörfchen und Anwesen.

An diesem heißen Tag waren die Trinkflaschen natürlich schnell wieder gelehrt und ich freute mich in dem kleinem Örtchen Lehner umso mehr, dass ich an einem Brunnen mit kühlem Bergwasser vorbei kam.

Ich füllte meine Trinkflaschen. In einer löste wie gehabt eine Brausetablette, um meinem Körper die nötigen Elektrolyte zurückzugeben, und die andere mit reinem Quellwasser. Ich erfrischte mich selbst und legte nochmal Sonnenmilch nach. Nicht, dass die Tour wegen einem Sonnenbrand scheitern sollte.

Nun kam ich durch ein größeres Dorf namens Weidach. Jetzt folgte nochmal ein kleiner Anstieg und ich würde mein gesetztes Tagesziel Seefeld erreichen. Oder sollte es für diesen Tag schon genug sein?

Laut Andreas Albrecht hätte ich in Seefeld keine Probleme gehabt eine günstige Unterkunft zu finden. Ich wollte mich jedoch noch nicht zufrieden geben und meine Tour noch nicht beenden. Ich war zu neugierig auf das, was noch kam und es war meiner Meinung nach noch zu früh, um den Tag zu beenden. Ich warf noch einmal ein Blick zurück auf die Gipfel des Wettersteingebirges.

Vorbei an den Seefelder Skisprungschanzen setzte ich meine Tour fort. Ich war gespannt, was ich heute noch schaffen würde. Nach ein paar lockeren Kilometern kam noch eine kleine Steigung hoch nach Mösern. Nun hatte man schon den Blick ins Inntal.

Es ging nun rasant dem Möserer Berg hinunter. Auf den längeren Geraden zwischen den Kurven bekam ich nur durch das Rollen bis zu 70km/h drauf. Hier darf es an Vertrauen zu seinem Bike und Material nicht fehlen. Undenkbar, wenn hier die Bremsen oder das Carbon versagen würde. Aber ich fühlte mich wie gewohnt schon den ganzen Tag wohl auf meinem Focus Mares AX 2.0.

Lediglich der Rucksack machte sich nach den 145km bemerkbar. Klar, am ersten Tag gewöhnt man sich nicht komplett an die ungewohnte Belastung. Aber es war ja nicht so, dass der Rucksack jetzt zu einem unerträglichen Leiden wurde.

Ich schaute noch mal zurück den Möserer Berg rauf. Die Abfahrten sind auch nicht unbedingt die Entspannung pur. Bei diesen Geschwindigkeiten muss man schon die Straße genau im Blick behalten. Das Gute war, dass die Straße in einem guten Zustand ist. Wenn man noch im Zickzackkurs Schlaglöcher ausweichen müsste, wäre es weitaus anstrengender.

Ich wechselte in Telfs die Uferseite des Inns. Nun ging es wieder flacher über den Innradweg weiter. Laut Andreas Albrecht´s Beschreibung sollte ich den Inntalradweg jetzt bis fast nach Imst folgen. Doch ich merkte, dass mich die strahlende Sonne mit der Hitze, noch dazu die gefahrenen Kilometer mit den Höhenmetern, ausgelaugt hatten. Außerdem gingen meine Wasservorräte langsam zu neige.

So beschloss ich nach weiteren 15km meinen Tag zu beenden. Ich traf wieder einen älteren Herren, der auf einer Bank am Radweg verweilte. Ich fragte ihn nach eine Unterkunft. Er sagte, ich solle in den nächsten Ort Stams fahren, da würde ich schon etwas Passendes finden.

Er erzählte noch von seiner Radvergangenheit und dass er ja auch schon mit dem Rad bis an den Gardasee gefahren sei. Nun hielt er ein Asthma-Spray hoch und sagte lachend: „Die Luft will jetzt nicht mehr, deshalb hab ich mir Unterstützung geholt, um nicht ganz zu rosten.“ Dabei zeigte er auf den großen Akku auf seinem E-Montainbike.

Wie empfohlen radelte ich nach Stams. In der Nähe von der Skisprungschanze befand sich ein Campingplatz. Ein Zelt hatte ich ja nicht dabei, aber da sich auf den Wegweisern ein Bett befand, wollte ich mein Glück versuchen.

Dies Entwickelte sich auch als Glücksgriff. Die Tochter des Betreibers vom Campingplatz bewirtete das Gästehaus Possard. Da alles neu und dazu noch günstig war, konnte mir gar nichts Besseres passieren.

Dazu hatte ich noch einen hervorragenden Ausblick auf das Hochplattig, welches immerhin auch eine Höhe 2768 m.ü.A hat, und damit der höchste Gipfel der Mieminger Kette ist.

Ohnehin hatte mich der ganze Tag schon fasziniert. Ich hatte ja schon des Öfteren erwähnt, dass das meine erste Alpine Erfahrung sein würde. Dass ich gerade auch im südlichen Bayern durch kleine Dörfer kommen sollte die aussehen, als wären sie mit ihrem urigem Flair aus einem Bilderbuch.

Dazu bin ich trotz der Überquerung des Karvendels 25km über mein eigentliches Ziel Seefeld hinaus gefahren. Ein wertvoller Vorsprung. Ob ich ihn halten konnte?

Fakt ist: an diesem Tag waren die Höhenmeter nur eine Vorahnung, was noch kommen sollte.

Der Umwerfer an meiner Schaltung warf ab und zu die Kette über das große Kettenblatt. Eigentlich war die elektronische Schaltung von Shimano optimal eingestellt. Vielleicht lag es einfach an der Hitze. Ich wollte es am nächsten Tag nochmal beobachten. Da ich den Umwerfer nicht elektronisch nachjustieren konnte, musste ich vielleicht nur die Anschlagschrauben nachstellen. Aber ich wollte das noch mal am nächsten Tag beobachten. Vielleicht war ich auch einfach zu erschöpft um mich damit zu beschäftigen. 

Daten: 

Distanz:               156,19

Zeit:                      7:26h

Höhenmeter     + 1958

Höhenmeter     – 1774

Steig. Max. 10%

Steig Durchschn. 5 %

Tempo max:      74,29 km/h

Tempo Durchschn.20,96 km/h

Temperatur       bis 32°C

Besuch bei Transalp-Shuttle

Die erste Tourennacht war gut überstanden. Ich hatte geschlafen wie ein Baby. Obwohl ich noch die Fahrradsocken trocken föhnen musste, saß ich pünktlich um 7:30Uhr am Frühstückstisch. Die restlichen Trikotteile waren nach dem Handtuchtrick, indem man die Trikotteile in einem Handtuch einrollt und das Wasser auswringt, am Morgen getrocknet.

Mit im Frühstücksraum saß ein älteres Pärchen. Sie waren mit ihren Fahrrädern am Inntalradweg unterwegs und hatten ebenfalls die Nacht in dem Gästehaus verbracht. Scheinbar hatten sie keine Lust auf große Gespräche und unterhielten sich leise.

Wir wünschten uns lediglich eine gute Fahrt und verabschiedeten uns kurz und knapp. Der Abschied von der Eignerin Manuela war da schon wesentlich freundlicher.

Ich rollte den kleinen Berg wieder hinab auf den Inntalradweg und schaute noch einmal zurück auf das kleine Dörfchen mit dem schmucken Kloster “Stift Stams“

Mein erstes Ziel auf meiner zweiten Tagesetappe sollte das Örtchen Harming sein. Es war zwar unsicher, ob ich jemand erreichte, aber ich wollte mein Glück versuchen, mich wenigstens persönlich bei Steffi und Bernd für das zur Verfügung gestellte Navi bedanken.

Sie führen die Firma www.Transalp-Shuttle.com und haben sich auf den Verleih von Navigationsgeräten für den Outdoor-Bereich spezialisiert. Für wenig Geld bekommt man speziell für seine Bedürfnisse und seine Wunschroute auf das Navigationsgerät gezogen und das ganze Gerät pünktlich vor der geplanten Tour zugeschickt. Außerdem kann man sich seine Fahrzeuge / Gepäck an sein Wunschziel überführen lassen. Rund um kann ich sagen, dass ein zuverlässiger und großartiger Service geboten wird.

Haiming war auf dem flachem Radweg schnell erreicht und die Adresse dank der Markierung im Navi schnell gefunden. Zwei Nachbarskinder saßen auf der Bordsteinkante. Ich fragte sie, ob sie wissen würden, wo Steffi und Bernd zuhause wären. Stolz mir den Weg zeigen zu können, führten sie mir mich.

Wie im Vorfeld angekündigt, war Bernd für Kunden in den Alpen unterwegs. Aber so konnte ich mich wenigstens persönlich bei Steffi bedanken. Nach einem Kaffee und einem Erinnerungsfoto wollte ich mich aber auch nicht lange aufhalten. Schließlich lagen auch noch ein paar Kilometer mit einigen Höhenmeter vor mir.

Ich verlies Haiming, überquerte die Inn und folgte dem Inntalradweg, der nun parallel zur Inntalautobahn verlief. Laut rauschte die Inn unterhalb des Radweges.

Der Radweg verlief kurvig mit einem leichtem Auf und Ab und an Kuhweiden vorbei. Um die Gatter zu sparen, wurden einfach massive Gitter verbaut. Die Gitter konnte man mit dem Fahrrad befahren oder zu Fuß begehen, aber für die Kühe war es eine unüberwindbare Barriere.

Dieselben Gitter hatten die Farmen in Namibia an den Toren verbaut.

Im kleinen Ort Robben sollte ich zum ersten Mal das erleben, was mir bis jetzt noch bei keiner Tour passierte. Mein Fahrrad ließ sich plötzlich nicht mehr lenken. Da ich gerade eine kurze steile Rampe hinter dem Bahnhof runter fuhr, war es schwierig das Rad zum Stehen zu bringen. Der Reifen war platt! Zum Glück fuhr ich noch nicht auf der Felge, nicht dass ich noch einen größeren Schaden verursachte.

   Ich baute mein Vorderrad aus, hing mein restliches Bike an den Fahrradständer vom Bahnhof und zog die Bereifung von der Felge.

Nach der Ursache musste ich nicht lange suchen, ein schöner langer Stachel von einem Schwarzdorn, oder auch Schlehendorn genannt, hatte sich durch den Reifen in den Schlauch gebohrt. Gegen diese Dörner hat nun mal der beste Pannenschutz keine Chance.

Anstatt nur den Schlauch zu wechseln, entschied ich mich den defekten Schlauch gleich zu flicken. Das geschah auch schnell, nur das Problem war den Dorn aus dem Reifen zu bekommen. Ich hatte eine kleine Zange dabei, aber diese hatte auch nicht viel genutzt. Denn der Dorn zerbröselte und der dickere Teil blieb im Reifen stecken. Jetzt hatte ich nichts um den Rest aus herauszubekommen. Die Gefahr war groß, wenn ich das Rad so wieder zusammenbaute, nach kurzer Zeit den nächsten Durchstich zu haben.

Da ein Anwohner sein Auto auslud und immer mal zu mir rüber schaute, fragte ich ihn, ob er zufällig etwas Spitzes dabei hätte einen kleinen Nagel oder dergleichen. Kurz drauf brachte er eine große Pinzette. Ich drückte mit meinem kleinsten Inbusschlüssel vom Multitool auf den Einstich vom Dorn und konnte so den Rest etwas aus dem Reifen drücken. Mit seiner Pinzette bekam mein Helfer den Dorn zu fassen und konnte ihn restlos entfernen.

Ich bedankte mich herzlich für die Hilfe, montierte wieder mein Rad, ölte bei dieser Gelegenheit meine Kette nach, und machte mich wieder auf den Weg.

Beim widerholten überqueren der Inn kam das Boot im Wildwasser auf mich zu. Ich blieb auf der Brücke stehen und schaute dem Treiben zu, bis sie immer näher waren. Als sie mich auf der Brücke stehen sahen, winkten und johlten sie mir laut und gut gelaunt zu. Ich winkte zurück und wünschte ihnen viel Spaß.

 Der platten ärgerte mich. Es ist ja nichts außergewöhnliches mal einen Reifen platt zu fahren, aber es drückte meine mentale Stimmung.

Ich setzte meine Fahrt fort und erreichte nach etwa 25km Imst. Aber nun kam mir die eine Stunde vor, wie eine Ewigkeit.

Am Bahnhof von Imst / Pitztal musste ich den Inntalradweg verlassen und bog ins Pitzrtal in Richtung Arzl ab. Die Strecke verlief zunächst auf der alten Landstraße und stieß in Arzl auf die neue Straße. Nun zog die Strecke ganz schön an. Irgendwie lief es nicht so rund an diesem Morgen. Was ein dummer Plattfuß einen doch den Tag vermiesen kann.

Umso mehr freute ich mich über drei Rennradler, die mich an der Steigung nach Wenns überholten. Ich klemmte mich dahinter.

Das war jetzt das Beste was mir passieren konnte. Erst ließ ich mich von dem Mädel ein Stück mitziehen. Als sie aber immer mehr an Tempo verlor, setzte ich mich vor sie und zog sie ein ganzes Stück mit.

Der Verkehr lies nicht zu, dass man nebeneinander fahren konnte. So kam auch kein Gespräch zustande. Aber ich denke an dieser Auffahrt verstand man sich wortlos und jeder war froh, ein Stück mitgezogen worden zu sein.

Immer höher zog sich die Straße in Richtung Piller. Die Temperatur stieg an diesem Tag auch wieder auf über dreißig Grad. Über dem Asphalt war es mit Sicherheit noch heißer.

Auch hier lief die Heuernte auf Hochtouren. Ich plagte mich freiwillig an den Steigungen, aber die Bauern mussten bei der Hitze raus auf die Felder. Ob sie wollten oder nicht. Jetzt war das Wetter schön und jede Minute zählte, um das Gras zu trocknen und vor dem nächsten Regen auf die Heuböden zu bekommen. Was mir schon seit dem ersten Tag aufgefallen war, ist, dass hier wirklich die Wiesen bis auf den letzten Grashalm abgerecht werden. Hier blieben absolut keine Reste liegen.

Eigentlich ist es manchmal kaum zu glauben dass man sich seinen Urlaub spart, um sich an seinen freien Tagen irgendwelche Pässe hoch zu quälen.

Die Straße zog weiter an bis zum Gacher Blick. So langsam konnte mich die Landschaft wieder aufbauen.

Das Gepäck machte sich bemerkbar. Kurz vor dem Start überlegte ich noch, ob ich die Kassette wechsle. Ich entschied mich für die original Kassette mit dem größten Ritzel mit 27 Zähnen drauf zu lassen. Ein 30er Ritzel hätte mir jetzt bestimmt gut getan.

Vom Gacher Blick hatte man einen atemberaubenden Ausblick ins Inntal.

Kaum zu glauben, dass die Inn etwa 700 Meter tiefer im Tal lag.

Nach jeder noch so langen Steigung kam natürlich auch die nächste Abfahrt. Steil führte die Straße hinab ins Kaunertal. Ich passierte die Orte Kauns und Faggen.

In Prutz kam ich glücklicherweise wieder an einem Brunnen vorbei. Ich stillte meinen Durst und füllte wieder meine Wasserflaschen. Mittlerweile hatte ich mir angewöhnt wirklich jede Quelle zu nutzen, um wieder meine Flaschen zu füllen. Auch wenn ich gerade eine Flasche angebrochen hatte, nur diesmal waren wieder fast beide Flaschen aufgebraucht.

Da sich aber auch der Hunger so langsam in mir breit machte, schaute ich auf meiner Weiterfahrt nach einer Gelegenheit, wo ich meinen Körper ein paar Kalorien zurück geben konnte.

Das Wanderhotel Riederhof warb auf einer Reklametafel mit einem kostengünstigen Mittagsmenü. Ich nutzte die Gelegenheit und kehrte hier ein. Ich nutzte die Pause, um mit meinem Zusatzakku mein IPhone zu laden. Mein Zusatzakku ist zwar nicht der leichteste, aber  dafür kann ich mein Smartphone bis zu sieben Mal aufladen.

Gestärkt machte ich mich nach einer eigentlich viel zu langen Pause wieder auf meinen Weg.

Das Navi führte mich auch am zweiten Tag zuverlässig. Das eine Mal, wo ich in die falsche Straße abgebogen war, war wirklich meine Schuld.

Der Weg führte wieder leicht hügelig durch das Oberinntal. Meist waren die Ortschaften wieder klein und bestanden nur aus wenigen Häusern und Höfen.

Nach Schönegg, Birkach und Pfunds gabelte sich die Strasse. Mich führte der Weg weiter in Richtung St. Moritz. Ich sollte aber nur für kurze Zeit die Grenze zur Schweiz überfahren. Mich führte der Weg weiter an der Inn bis Martinsbruck.

Direkt nach der Zollstation Martina bog die Straße nach links ab und ich überquerte wieder die Grenze zurück nach Österreich. Jetzt warteten die nächsten Höhenmeter. Von der direkten Route nach Nauders riet Andreas Albrecht ab. Zu viel Verkehr und viel zu viele Tunnel würden die Tour eher vermiesen.

Diese Alternativroute war wirklich eine willkommene Abwechslung. Gerade Mal eine Hand voll Autos begegnete ich bei diesem Anstieg zur Norbertshöhe. An der Zollstation traf ich ein Tourenbiker. Große Packtaschen hingen links und rechts von seinem Tourenrad. Er war sich nicht sicher, ob wir einfach so die Grenze passieren dürften.

Mit seiner Frage an den Zollbeamten, ob er denn etwas vorzeigen müsse, fragte der Beamte zurück, wo er denn hin wolle. „Norbertshöhe!“

Der Beamte reagierte etwas unwirsch, da wir uns ja keine 50 Meter in der Schweiz befinden sollten.

Ich dachte zuerst ich könnte mit dem Tourer die Norbertshöhe erklimmen. Aber er schaltete bis auf seinen kleinsten Gang zurück und kurbelte sich in Schrittgeschwindigkeit in die erste Steigung.

Ich setzte mich schnell ab. Schade, ein wenig Unterhaltung hätte gut getan. An der achten Kehre traf ich eine Gruppe Radwanderer. Ich hielt auch kurz um zu verschnaufen und einen großen Schluck aus meiner Trinkflasche zu nehmen. Einen ganz so glücklichen Eindruck machte die Truppe nicht mehr.

Ich hielt mich nicht lange auf. Wünschte noch ein gutes Gelingen und kletterte weiter den Pass hinauf. Besonders lang war der Anstieg ja nicht, aber ich empfand ihn an diesen Tag als knackig. Die Kehre 4 war erreicht…

In meiner kleinsten Übersetzung kurbelte ich mich immer höher. Mit einer Kompaktkurbel ist das natürlich kein Vergleich zu einer Standard Mountainbike-Übersetzung. Steigungen bis sieben Prozent waren mit meinem Gepäck auch nicht unbedingt ein Problem. Ab acht Prozent wurde es anstrengend.

Die Norbertshöhe war erreicht. Mit Erreichen des Schildes, zweimal tief durchatmen und einem Erinnerungsfoto, war der Anstieg gar nicht mehr so schlimm.

Trotzdem lief es immer noch nicht so rund an diesem Tag. Irgendwie kam mir mein Tagesziel noch so unerreichbar fern vor.

Nach der Norbertshöhe ging es erst mal wieder gut 100 Meter abwärts bis Nauders. Jetzt zog sich wieder die Strecke hinauf auf den Reschenpass.

An der Imbissstube Daniel legte ich noch einmal eine kleine Pause ein.

Mit dem Reschenpass überquerte ich die Grenze von Österreich in den Vinschgau / Südtirol in Italien.

Kurz darauf erreichte ich den Ort Reschen, oder in der Landessprache Resia. Nun kam ich auch an den Reschensee, dessen Wahrzeichen der einzelne Kirchturm von dem versunkenen Ort Alt-Graun.

Mit dem Reschenpass, erreichte ich auch die 100 Kilometer-Marke auf meinem Tacho. Nach dem Reschensee folgte der wesentlich kleinere Haidersee. Danach eine rasante weit über 10km lange Abfahrt über Glurns nach Prad am Stilfserjoch.

Kehre für Kehre ging es immer weiter abwärts. Auf den langen Geraden rollen lassen. Vor den Kehren das Tempo soweit runter bremsen, dass man locker und ohne Risiko um die Kurven kommt. Dann wieder rollen lassen. Auch an diesem Tag erreichte ich Spitzengeschwindigkeiten bis knapp 65km/h.

Ich war gespannt wie lange die, von B.O.C zur Verfügung gestellten, Bremsbeläge der Marke XLC diese Belastungen standhielten.

  In Prad angekommen, bog die Straße Richtung Stilfserjoch ab. Andreas Albrecht beschrieb in seinem Bericht, dass von hier noch ein Anstieg von rund 600 Höhenmeter bis nach Trafoi wartete. Dass es noch einmal hart werden würde, zum Tagesende, war mir schon klar. Aber diese 600 Höhenmeter wollten sich noch einmal ins Unendliche ziehen.

Etwa eine Stunde brauchte ich von Prad nach Trafoi. Eine Stunde, die mir wie eine halbe Ewigkeit vorkam. Aber es war geschafft. Ich hatte wieder mein Tagesziel erreicht. Ich war voll im Zeitplan. An diesem Tag war ich jedoch froh, dass ich am Vortag den kleinen Vorsprung rausgefahren hatte.

Ich war gerade im Schnitt 1 km/h langsamer als am Vortag. Trotzdem spielte ein platter Reifen dem Gemüt einen Streich. Obwohl man gut vorankam, täuscht man sich und bildete sich ein, dass man nicht vom Fleck kommt.

Nachdem ich das Ortsschild passierte, kam ich an dem Hotel Garni Dalliada – Hof vorbei. Eine ältere Frau hielt mich an und fragte, ob ich etwas suchen würde. Da Andreas Albrecht das Hotel Bellavista lobte, wollte ich auch versuchen, dort ein Zimmer zu bekommen.

Da das Pfingstwochenende begonnen hatte, war ich mir nicht sicher, ob man überall ein Zimmer bekommen würde.

Laut der älteren Frau hätte das Bellavista noch geschlossen und würde erst am nächsten Tag öffnen. In dem Moment glaubte ich ihr sogar. Da das Garni Dalliada ihrer Tochter gehörte, war mir im Anschluss aber schnell klar, warum das Bellavista angeblich noch geschlossen hatte.

Von außen sah das Daslliada ja auch ganz einladend aus. Die Zimmer entwickelten sich jedoch steinzeitlich. Ein plus verbuchte ich jedoch wieder für das Essen. Eine riesen Portion Pasta mit einer leckeren Soße und dazu eine riesen Schüssel Salat sorgten zu mindestens für die nötige Bettschwere, so dass man selbst in dem alten Bett mit der genauso alten Matratze einen festen Schlaf fand.

Fasziniert bin ich immer wieder von der Landschaft. Von der eigenen Leistung, von dem Schweiß den man an den langen Steigungen lässt, und wie schnell ein mühseliger Anstieg mit Erreichen des Passes wieder vergessen war.  Bereits nach dem zweiten Tag wusste ich, dass ich nicht das letzte Mal in den Alpen unterwegs sein würde.

Und nun freute ich mich schon auf den nächsten, den dritten Tourentag. Das Stilfserjoch, der Königpass unter den Radfahrern wartete auf meiner Strecke. Ich konnte meinen Zeitplan so weit einhalten, dass ich mir zu meinen Geburtstag den schweißtreibenden Pass schenken konnte.

Daten: 

Distanz:                               140,91km

Zeit:                                      7:21h

Höhenmeter                     + 2775

Höhenmeter                     – 1967

Steig. Max.                        15%

Steig Durchschn.             6 %

Tempo max:                      68,10 km/h

Tempo Durchschn.         19,63 km/h

Temperatur                       bis 36°C

Geburtstag auf dem Königspass

Bereits vor dem Wecker wurde ich wach. Ich stand auf, streckte meine müden Glieder und packte meine 2 Taschen wieder zusammen. Langsam war es schon ein Automatismus und ich wusste genau wie ich meine sieben Sachen wieder platzsparend verpackt bekam.

Das Frühstück war von der Auswahl nicht das üppigste, aber es sollte für die ersten Stunden den Magen füllen. Ich nahm mal an, dass wenn ich das Stilfserjoch erklommen hatte, sowieso sämtliche Reserven wieder gefüllt werden mussten.

Aber war das Stilfserjoch so hart wie es immer beschrieben wurde?

Es war schon 8:20Uhr als ich meine Tour startete. Da ich in den meisten Fällen vor 7:30 Uhr kein Frühstück bekam, legte ich mir immer 8:30Uhr als Startzeit fest. Heute war es noch ein paar Minuten später geworden.

Aber was soll´s. Da ich keine Übernachtungen vorgebucht hatte, war es schließlich egal wenn ich einmal nicht mein Tagesziel erreichen würde. Schließlich hatte ich genügend Urlaub und somit Luft nach hinten. Falls die Tour ein Tag länger dauern würde, dann wäre es auch nicht so wild.

Da ich mich ziemlich am Ortseingang befand, musste ich noch durch ganz Stelvio. Der Ort war zwar nicht groß, aber dadurch dass er am Berg lag, wurden die einzigen Häuser mehr oder weniger links und rechts von der Passstraße gebaut.

Am Ortsausgang trieb gerade ein Landwirt seine Kühe auf die Weide. Interessant war, dass sein Hund die Kühe trieb und der Landwirt nur hinterher laufen musste.

Mit gerade mal 20°C hatte ich eine optimale Tourentemperatur. Ich hoffte ja schon, dass es, umso höher ich kam, auch nicht wesentlich wärmer werden sollte.

Nun hieß es 48 durchnummerierte Kehren abzufahren. Mit einem Auge auf dem Ortler gerichtet, kurbelte ich mich von Kehre zu Kehre immer höher. Ich wusste nicht was besser war. Die Kehren mitzuzählen, oder sich fünfer oder zehnerschritte kleine Ziele zu setzen.

Der Wirt von dem Hotel erzählte mir am Morgen, dass normalerweise ständig kleine Lawinen vom Ortler stürzen müssten. Dieses Jahr würde der Schnee aber regelrecht am Gipfel kleben und es würde sich einfach nichts lösen. So lange keine Gefahr für irgendjemand bestand, wollte ich diese Naturgewalt schon mal live sehen. Aber auch heute klebte der Schnee und es löste sich nichts ab.

Die Kehre 40 war erreicht. Gerade Mal 8 hatte ich jetzt hinter mir. Die Temperatur stieg mit jeder Minute an. Wenigstens blieb der befürchtete Verkehr aus. Schließlich hatte wir Pfingstwochenende und einige Bundesländer hatten Ferien.

Die nächsten 11 Kehren waren geschafft. Die Sonne stieg noch höher und mit der Sonne auch die Temperatur.

Mit der 24 Kehre erreichte ich auch die Höhe von dem Hotel Sottostelvio. Da ich aber nicht an eine Pause dachte, setzte ich meine Tour fort. Ich war echt froh, auch wenn ich jetzt schon eine zeitlang unterwegs war. Bis auf einige Motoräder blieb der befürchtete Verkehr aus. Zumindest empfand ich die Fahrzeuge die an mir vorbei kamen nicht nervend, da immer genügend Abstand gehalten wurde und niemand so in die Quere kam, wie man es von Deutschland gewohnt war.

Am Straßenrand waren immer wieder die bekannten Erdmännchen zu sehen. Meistens standen sie mit angezogen Pfoten, streckten die Nase in die Luft und spähten was man auf der Passstraße so trieb. Blieb ich jedoch stehen um ein Foto zu machen, verzogen sie sich schnell in ihre Bauten. Scheinbar hatten sie keine Lust Modell zu stehen.

Das Stilfserjoch wurde zwischen 1820 und 1826 erbaut. Wenn man überlegt welche Leistung das mit den wenigen Mitteln zu dieser Zeit war. Vor allem wurde die Trassenführung bis heute nicht wesentlich verändert.

Die Temperatur stieg immer weiter. Mein Tacho zeigte zeitweise 39°C an. Die Sonne knallte vom Himmel. Ohne Helm wäre es aber auch undenkbar gewesen. Der Sonnenstich wäre dann wohl vorprogrammiert. Die Temperaturen und bei Steigungen bis 14% der ständige Druck auf die Pedalen, ist diese Auffahrt schon eine enorme Belastung für Mensch und Material.

Leider fand ich auf der gesamten Strecke keinen Radler mit dem ich das Leid hätte teilen können. Entweder kamen Rennradfahrer ohne Gepäck an mir vorbei, bei denen ich aber nicht hätte mithalten können. Oder schwer bepackte Tourenbiker mit MTB´s, die auf ihren kleinen Übersetzungen den Berg hoch krochen. Da kam ich mir wenigstens nicht ganz so langsam vor, wie ich es ab und an empfand.

Die letzte Kehre war erreicht, jetzt waren es nur noch wenige Meter bis auf den Pass.

Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von gerade mal 7,25 km/h brauchte ich, mit einigen kleinen Pausen, 2:7h. Aber ich hatte es geschafft, den Königspass mit 2757 Meter über Seehöhe hatte ich bezwungen. Über ein halbes Jahr habe ich von dem Moment geträumt, an dem ich am Stilfserjoch ankomme.

Jetzt legte ich erst einmal eine Pause ein. Mit Cola und Bratwurst füllte ich erst einmal Kalorien.

Ich beobachtete das rege Treiben auf der Passhöhe. Autofahrer, Motorradfahrer und Radfahrer mussten sich teils einig werden, wer zuerst durch das Nadelöhr durfte. Manche vergessen selbst hier oben, dass sie nicht alleine durch ihre Anwesenheit auch die Berechtigung haben, überall der Erste sein zu dürfen. Wie manche gleich ausflippen wenn sie eine Minute warten müssen, weil gerade einer sein Motorrad aus der Parklücke schiebt.

Der Deutsche Wahnsinn ist selbst auf dem Pass angekommen. Gute Nacht denke ich nur, diese sture Ignoranz wird irgendwann des Deutschen Untergang sein.

Ich hatte genug gesehen, hatte mein erreichtes Zwischenziel genossen und nun wurde es langsam wieder Zeit, weiter zu fahren. Schließlich hatte ich ein Tagesziel und das hieß Bormio. Aber nicht direkt nach Bormio, das wäre ja keine Herausforderung mehr für diesen Tag gewesen.

Andreas Albrecht schickt mich mit seiner Route unter anderem noch über den Pass Umbrail und dem Passo della Foppa.

Nun sollte es zwischen hohen Schneewänden erst mal abwärts gehen. Nach der ersten Kurve musste ich jedoch nochmal halt machen. Jetzt kam zum ersten Mal die warme Softshelljacke zum Einsatz. Ich dachte ich hätte die warme Ausrüstung umsonst mitgeschleppt, aber die Abfahrt war eisig kalt und ohne Jacke hätte ich mir mit Sicherheit eine dicke Erkältung eingefangen.

Der Umbrailpass war keine besondere Herausforderung. Danach konnte ich wieder kilometerlang rollen lassen bis nach St. Maria im Münstertal. Hierbei rollte ich einen Höhenunterschied von rund 1400 Höhenmeter. Auf einem Abschnitt war eine Baustelle. Scheinbar wird jetzt das Teilstück, welches noch nicht asphaltiert war, mit einer Deckschicht versehen. Bis auf ein kurzes Stück war es schon geschehen und ich musste nur ein kleines Stück über Naturbelag rollen.

Zwischendurch blickte ich noch einmal zurück in Richtung Stilfserjoch. Ich war zufrieden mit mir und meiner Umwelt. Es war zwar heiß, aber es hätte auch bei weitem schlechter sein können.

Nur mein Hintern, der war heute nicht so ganz zufrieden. Der meldete sich zwischendurch mit einem unbeschreiblichen Schmerz. Es war kein zwicken, kein brennen, es war irgendein komischer Schmerz.

Ich musste immer wieder mal stehen bleiben. Nicht wegen dem Hintern, nein nur um die Aussichten zu genießen. Mittlerweile war ich wieder weit unter der Schneefallgrenze und alles leuchtete in einem frischen Grün.

Nach unzähligen engen Kurven erreichte ich schließlich St. Maria. An einem Brunnen füllte ich meine Trinkflaschen und bewunderte die malerischen Häuser an der engen Gasse.

  Lange wollte ich mich nicht aufhalten, denn der nächste Pass, der Ofenpass, wartete schon. Nach St. Maria, ging es wieder aufwärts. Es gab kaum einen Kilometer, wo man kein Druck auf der Pedale hatte.

Es ging wieder steil aufwärts. Zwischendurch fragte ich mich mal wieder ob, ich nicht wirklich ein an der Waffel hätte. Die Sonne brannte nahezu unerträglich vom Zenit. Selbst die Bäume spendeten keinen Schatten. Weit und breit war kein Mensch zu sehen. Dass ich von einem Auto überholt wurde, gehörte eher zur Seltenheit. Erst oben am Pass traf ich auf ein junges Pärchen, die scheinbar kurz vor mir den Pass hoch geradelt waren. Während das Mädel noch Bilder vom hinter sich gelassenen Tal machte, schob der Partner sichtlich genervt sein Bike zu dem kleinem Imbiss auf der Passhöhe.

Von 2375 Meter über Meeresspiegel in St. Maria musste ich wieder bis auf 2149 Meter über Meeresspiegel auf dem Ofenpass (Pass dal Fuorn) klettern. Aber auch das konnte ich nach der einen oder anderen Pause hinter mich bringen.

Nur mein Hintern gefiel mir gar nicht. Ich veränderte zwischendurch sogar meine Sitzeinstellung. Irgendwie wollte sich mein Steiß nicht mehr mit meinem Sattel vertragen. Aber nun kam ja erst einmal wieder eine erleichternde Abfahrt und ich konnte mein Gesäß etwas entlasten.

Da die Abfahrt nur leichte Kurven hatte und ich nicht mein Focus vor den Kurven runter bremsen musste, war die ganze Abfahrt eine willkommene Entspannung. Man konnte sogar zwischendurch in die Ferne blicken und seine Gedanken schweifen lassen. Hier war es nun mal nicht so wie in unseren Mittelgebirgen. Hier bedeutete eine Abfahrt mal über zehn Kilometer rollen lassen, aber dafür bedeuteten kleine Steigungen auch locker mal über 10km Anstrengung.

Am Punt la Drossa findet die schöne Abfahrt ihr Ende. Ich stand vor einem Tunnel der für Radfahrer gesperrt war. Mir erzählten drei Mountainbiker, dass man mit einem Shuttle auf die andere Seite gebracht würde. Laut Plan mussten wir noch ungefähr 20 Minuten warten. Ich nutzte den Brunnen neben der Tunneleinfahrt um meine Wasserflaschen wieder aufzufüllen. Welch eine Wohltat eiskaltes Brunnenwasser doch sein kann! Angeblich war kurz vorher einer mit seinem Rennrad trotz dem Verbot durch den Tunnel. Da aber 500,-€ Strafe drohten, wollte ich das natürlich nicht riskieren. Außerdem tut ein wenig Unterhaltung auch mal gut.

Für den 3,5km langen Grenztunnel wurden mal schnell 7,-€ fällig. Aber so wurde man noch bis über die 130 Meter hohe Staumauer gebracht.

Die Uferstraße führte nun durch zahlreiche Galerien bis nach Livigno.

Es gibt nur drei Möglichkeiten den Luwinersee, wie der Lago di Livigno auf Deutsch heißt, und Livigno  zu erreichen. Entweder über die Alpenpässe Forcola di Livigno mit 2315m Höhe, dem Passo d´Eira mit 2208 und dem anschließendem Passo di Foscagno mit 2291m Höhe. Oder eben durch den Muntla-Schera-Tunnel.

Nach Livigno führte mich meine Tour über die besagten Pässe “Passo d´Eira“ und dem Passo di Foscagno.

Auf dem Weg zum Passo d´Eira blickte ich noch einmal auf Livigno zurück. Ich war schon wieder einige Kilometer und Höhenmeter geklettert. Mein Hintern… der machte mir Sorgen. Wenn man einmal richtig wund gefahren war, dann konnte man so eine Tour auch ganz schnell an den Haken hängen. Ich musste mir also etwas einfallen lassen, was mir etwas Erleichterung verschaffen konnte.

Ich kramte mein zweites Funktionsunterhemd aus der Tasche, legte es so zusammen, das es einigermaßen die Form von meinem Sattel hatte, und befestigte es mit etwas Panzertape. Die Konstruktion verschaffte etwas Erleichterung.

So erreichte ich auch bald den ersten Pass.

Nach einer kurzen Abfahrt wurde der nächste natürlich gleich wieder angekündigt. Jedoch sollte man sich bei dem strahlend blauem Himmel und den hochsommerlichen Temperaturen keine Gedanken über Schneeketten machen müssen.

So langsam sollte es für diesen Tag reichen. Ich war froh als ich den Passo Foscagno ebenfalls bezwungen hatte.

Nun folgte wieder eine lange Abfahrt. Bis Bormio sollten keine nennenswerten Anstiege mehr folgen und ich konnte meinen Tourentag fast ausrollen lassen.

Mit den Unterkünften folgte ich auch den Ratschlägen von Andreas Albrecht. Ich entschied mich im Hotel Funivia abzusteigen. Ich hatte auch Glück. Obwohl das Hotel ziemlich gut belegt war, war noch ein Einzelzimmer für mich frei. Die freundliche Dame am Empfang verkaufte mir ein Zimmer mit Halbpension, Waschservice der Trikots, Fahrradstellplatz in der Tiefgarage mit Werkstatt und Waschplatz für gerade mal 69,-€

Da mein Schaltungsproblem mit dem Umwerfer wieder ab und zu aufgetreten war, war das eine gute Gelegenheit mich der Sache, in einer Werkstatt mit vernünftigen Werkzeug, mal anzunehmen. Das Problem war schnell gelöst. Ich entfernte wieder meine improvisierte Sattelkonstruktion. Ich hoffte, dass ich bis zum nächsten Tag etwas Besserung spürte und wenn ich nochmals an der Sattelposition arbeitete dieses Problem ebenfalls los sein würde.

Es wunderte sowieso. Das Fahrrad ist ja nicht neu, an der Satteleinstellung hatte ich vor der Tour nichts verändert. Bei der Winterstour im letzten Jahr hatte ich keinerlei Probleme. Sonst hatte mir auch der Sattel kein Stress gemacht. War es die Trikothose von Biehler? Konnte aber auch nicht sein. Die Hose hatte ich im letzten Jahr, das Sitzpolster war das gleiche. War es die zusätzliche Belastung vom Rucksack? Es wird wohl für immer ein Rätsel bleiben…

Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 16 km/h, diesen Höhenmetern bei einer Entfernung von 106,63km konnte ich zum Tagesende doch ganz zufrieden sein. An manchen Pässen verfluchte ich jeden Höhenmeter. Aber die Landschaft, die Leute denen ich begegnete und naja, das ganze Flair, machte auch diesen Tag zu etwas Besonderem. Dazu war es noch mein Geburtstag. Da ich Geburtstage seit meinem Dreißigstem hasse, war das das schönste Geschenk was ich mir selber machen konnte. Auch wenn meine Liebsten zuhause auf der Strecke blieben.

Daten: 

Distanz:                               111,07

Zeit:                                     6:22h

Höhenmeter                     + 2896

Höhenmeter                     – 3141

Steig. Max.                        14%

Steig Durchschn.             4 %

Tempo max:                      64,96 km/h

Tempo Durchschn.         16,74 km/h

Temperatur                       bis 39°C

Höhenmeter

Der vierte Tag begann nach einem ausgewogenen reichlichen Frühstück doch etwas aufregender als gedacht. Am Tag zuvor wurde mit der freundlichen Dame an der Rezeption einen Preis ausgemacht. Nämlich genau 69,-€!

Sie zeigte mir, wie zum Teil schon erwähnt, den Fahrradstellplatz mit der Werkstatt, den Waschplatz, den Korb für die schmutzigen Trikots, den Platz wo ich morgens um 8:00 Uhr die frische Wäsche wieder finden würde, versprach mir Halbpension also incl. Abendmenu plus das Frühstück und, und, und…

Und was war nun? Jetzt war eine weitaus jüngere und gar nicht diskussionsfreudige Dame hinter dem Tresen. Als ich meine Schuld begleichen wollte, knallte sie mir die Rechnung in Höhe von 96,-(!)€ hin.

Ich sagte ihr freundlich, dass diese Rechnung ein Irrtum sein musste, denn ich hätte ja schließlich einen geringeren Betrag genannt bekommen. Jetzt wurde die Dame ja schon etwas lauter und fragte mich was ich wolle, bei diesem Service den ich in Anspruch genommen hätte.

Ich erklärte ihr nochmals, was ich am Tag zuvor mit der Kollegin besprochen hatte, und welches Angebot, sprich Preis, sie mir genannt hatte. Jetzt drohte sie mir sofort mit der Polizei, nannte mir nochmals die Leistungen wie Werkstatt und Trikotwäsche, die müsste bezahlt werden ansonsten kommt die Carabinieri.

Ich hatte einfach keine Lust mehr mich da herumzustreiten, da schon die zweite Angestellte hinter dem Tresen auftauchte. Das Hotel war echt gut, der Service wäre super gewesen, aber so fühle ich mich echt über den Tisch gezogen!

Ich verließ auf meinen zwei schmalen Pneus Bormio und war wieder so überwältigt von der Landschaft, dass ich mir gar keine Gedanken mehr über das Ärgernis machen wollte. Was ich befürchtete war, dass mir mein Hintern viel schlimmer den Tag vermiest.

Ich hatte gerade Mal zehn Kilometer auf dem Tacho, als dieser komische unbeschreiblicher Schmerz zu spüren war. Dabei war es gar kein richtiger Schmerz, auch kein Brennen. Aber ich hatte schon die Befürchtung, wenn ich jetzt nichts ändern würde, dann könnte das echt in die Hose gehen.

Ich blieb stehen und veränderte meine Sitzeinstellung. Ich weiß bis heute nicht, was mir so Probleme machte. Schließlich hatte ich mit dieser Position schon weit über 2000km auf das Bike gefahren. Ohne, dass ich was hatte!

War es die Hose? Das zusätzliche Gewicht durch den Rucksack?

Ich senkte die Sattelspitze etwas ab. Es war etwas angenehmer. Was Wund war, würde tagsüber eh nicht mehr heilen. Aber so saß der Druckpunkt an einer anderen Stelle.

Das Navi von www.transalp-shuttle.com führte mich jetzt schon den 4 Tag präzise und sicher durch die Alpen. Es begeisterte mich auch jeden Tag aufs Neue, wenn ich das Gerät einschaltete, die Route aktivierte und einfach losrollen konnte.  So konnte ich nach Bormio auch wieder ganz gut an Tempo gewinnen.

Bis nach den ersten 25km ging es ohnehin eben bis leicht abschüssig voran. Mit einem erreichten Tourentempo von rund 30km/h fungiert man auch mal als Fliegenfänger. Zumindest war mein Arm voll von den kleinen angeprallten und auf dem Sonnenmilch/Schweißmix klebengebliebenen Fliegen.

Weil ich aber keine Täler-Tour machte, lies der nächste Pass natürlich nicht lange auf sich warten. Zwar schaute ich immer mal hoch auf die schneebedeckten Wipfel, dachte mir bis dahin auch immer, dass sich die nächste Steigung ruhig noch ein wenig Zeit lassen könnte. Schließlich kam ich ja auch super voran.

Aber nach den 25km war nun Schluss. Ich war lange genug das Valtellina, auf deutsch Veltlintal, hinunter gerollt.Der nächste Pass wollte bezwungen werden!

Zwischen den Ortschaften Tiolo und Vernuga musste ich laut dem Navi nach links abbiegen. Fast unscheinbar führte die Straße zunächst mit einer leichten Steigung in den Wald hinein. Zunächst wollte man meinen, der Weg führte nur an dem Fuße des Berges weiter. Bis die erste Kehre kam, dann nahm auch die Steigung eine andere Form an.

Zwischen 8 und 10 Prozent Steigung wollten jetzt bekämpft werden. Ich fand ein ganz gutes Tempo, so dass ich mit einem Versorgungsstopp und einer kleinen Pause (abgesehen von den kleinen Fotostopps) gut durchkam.

Mit jeder Kehre wurde die Aussicht wieder atemberaubender. Immer wieder kam man an einzelnen Häusern vorbei. Vor einem standen zwei Kühe, vor einem anderen waren ein paar Ziegen an der Kette. Aber bis auf einen kleinen Bauernhof, wo einige Leute am Eingang neue Fußwegplatten legten, sah ich keine Menschenseele. Nicht einmal eine Handvoll Autos begegnete ich an dem ganzen Anstieg.

Die Temperatur stieg auch an diesem Tag immer weiter. Es waren schon weit über dreißig Grad. Ich befürchtete, dass das Thermometer an meinem Tacho mindestens die vierzig Grad erreichen sollte.

Ich war über jeden Baum, der wenigstens mal wenige Meter Schatten werfen sollte, froh. Meine Wasservorräte verringerten sich schneller, als ich die Passhöhe erreichen konnte. Ich wartete jedoch vergeblich auf eine weitere Quelle. Die wenigen Wasserläufe waren zwar klar, aber man musste immer mit einer Viehweide oben drüber rechnen.

Auf den letzten Metern trank ich sogar noch ein Päckchen Dextrose. Zuckersüß, aber es gab dem Mundraum etwas Feuchtigkeit zurück.

Nach etwa 1200 Höhenmeter hatte ich es endlich geschafft! Zwischendurch dachte ich, ich würde es nicht bis oben schaffen und wünschte, ich hätte das 30er Ritzel montiert. Aber ich hatte immer wieder die Zähne zusammengebissen und war nach 1:50h auf der Passhöhe angekommen.

Und nun war ich da, an dem Schild welches wie die Hinweisschilder am Fuße des Berges für Verwirrung sorgten. Ist das jetzt der Passo della Foppa oder der Passo del Mortirolo?

Ich übernehme jetzt Mal die Beschreibung von Andreas Albrecht:

Kurz vor Grosio kommt dann der Abzweig nach links zum Passo Mortirolo oder Foppa oder wie, was?! Der unterschiedliche Sprachgebrauch ist verwirrend. De facto gibt es sowohl den einen als den anderen. Der Passo del Mortirolo liegt jedoch etwas abseits der Hauptstraße, wenn es nach dem Passo della Foppa hinunter nach Monno geht.

Der eigentliche Straßenpass ist der Foppa. Der Hotelchef Jim Pini vom legendären „Albergo Sassella“ in Grosio hat mir neulich die Zusammenhänge erklärt. Foppa ist wie gesagt die alte, richtige Bezeichnung für den Straßenpass. Als dann der Giro d’Italia einige Male über diesen Pass führte, benutzte ein Reporter aus Unkenntnis den Namen des Passes Mortirolo, der Luftlinie keinen Kilometer entfernt liegt, aber nur auf Schotter zu erreichen ist. Das haben dann alle nachgeplappert und so bürgerte sich im Laufe der Zeit der „falsche“ Name für den „richtigen“ Pass ein. Durch die offenkundig hochwirksame normative Kraft des Faktischen ist inzwischen auch der Name „Foppa“ von den Wegweisern vor Ort verschwunden. 

(Quelle: http://www.transalp.info/rennrad/index.php)

Nun folgte eine ebenso steile Abfahrt. Ich genoss es, wie der etwas kühlere Fahrtwind um den Körper wehte und für etwas Abkühlung sorgte. Klar, musste man aufpassen, dass man sich durchgeschwitzt wie man war, nicht eine saftige Erkältung einfing. Aber in diesem Moment war es eine Wohltat.

In Monno wurden neue Fangnetze an den Felsen montiert. Ich musste kurz an einer Ampel warten und nutze die Gelegenheit, um noch ein schnelles Foto zu schießen.

Genauso wie man an den langen Steigungen denkt, dass es doch bald ein Ende haben muss, denkt man es ja schon fast auch an den Abfahrten. Außerdem ertappte ich mich immer mal dabei, wie mein Blick prüfend über die vorderen Bremsbacken schweifte. Hielt der Gummi noch bis unten? Da ich mit dem Wetter ja echt Glück hatte, hielten die Bremsbeläge natürlich deutlich länger. Wenn ich immer im nassen bremsen müsste, würden sie sich quasi abschmirgeln. So sah es jedoch aus, als sollte der montierte Satz ausreichen. Schließlich hatte ich die von B.O.C. gelieferten Beläge erst vor dem Tourenstart ausgetauscht.

Am Fiume (Fluss) Oglio ging es flussaufwärts weiter in Richtung Ponte di Legno. Zufällig stieß ich auf den neuen Radweg, der direkt nach Ponte di Legno führte. Nun wich ich zwar von meiner Route auf dem Navigationsgerät ab, aber der Radweg schien erst vor kurzem eröffnet worden zu sein.

     

Der Radweg ließ sich trotz der Steigung sehr gut fahren und ich konnte wieder an Fahrt gewinnen. Plötzlich sah ich etwas Längliches auf dem Asphalt liegen. Für ein heruntergefallener Ast war es zu gleichmäßig und zu gerade.

Im letzten Moment sah ich, dass es eine Schlange war und wich gerade noch aus. Ich bremste und drehte, um mir das Tier anzusehen. Ich dachte es wäre eine Blindschleiche, evtl. eine Natter.

Ich trat schon sehr nahe an das Tier heran, denn schließlich war ich davon ausgegangen, dass wir nur harmlose Schlangenarten in unseren Gefilden finden würden. Aber nach einem Tipp von einem Freund, stieß ich auf die Internetseite mit folgender Beschreibung: www.lexikon-schlangen.de/schlangenarten/aspisviper.shtml

Familie                / Ordnung / Unterordnung: Vipern (Viperidae) / Schuppenkriechtiere (Squamata) / Schlangen (Serpentes)

Lateinischer Name: Vipera aspis

Beschreibung:

Die Aspisviper wird bis zu 90 Zentimeter lang und gehört der Familie der Vipern an. Mänchen werden etwas größer als die Weibchen. Sie ist eine Giftschlange mit kurzem und dünnen Schwanz. Die Farben der Aspisviper reichen von Grautönen über rot und braun bis komplett schwarz. Der dreieckige Kopf ist etwas vom Körper abgesetzt.

Man findet die Aspisviper in südlichen europäischen Ländern, wie Italien, Spanien, Slowenien und Frankreich, aber auch in Teilen Deutschlands (Schwarzwald) und der Schweiz. Es handelt sich zudem um eine überwiegend tagaktive Schlangenart, die höhere Gegenden wie z. B. die Alpen als Lebensraum bevorzugt.

Die Aspisviper paart sich in der Zeit von April bis Mai sowie September bis Oktober. Diesew Schlange ist ovovivipar, was soviel heißt, dass die Jungschlangen lebend zur Welt gebracht werden oder direkt nach der Geburt aus den Eiern schlüpfen, also nicht erst ausgebrütet werden müssen. In der Regel kommen zwischen zwei bis 15 Jungschlangen zur Welt, die bis zu 14 cm messen können.

Die Aspisviper gehört nicht zu den gefährdeten Schlangenarten, da sie mit sehr unterschiedlichen Lebensräumen sehr gut zu Recht kommt.

Mir war es schon etwas mulmig, als die Schlange irgendwie zischend und raschelnd von dannen zog. Mir war nach meinen Erfahrungen in Afrika wohl bekannt, dass die Schlangen, wenn sie Menschen wittern, das Weite suchen und nur im äußersten Notfall zubeißen. Aber so das Gesamtpaket… im Nachhinein!

Ich setzte meine Tour noch für ein paar Kilometer fort. Langsam machte sich auch mein Magen bemerkbar und forderte laut brummelnd etwas feste Nahrung. Ich hatte zwar erst 60km auf dem Tacho, doch der Passo del Foppa zehrte ganz schön die Energie aus den Körper.

Der Radweg führte die meiste Zeit außerhalb der Ortschaften durch Waldstücke und über Felder. Doch in Pontagna, führte er mich direkt an der kleinen Pizzeria La Fucina vorbei.

Das war meine Gelegenheit Kalorien einzufahren. Der Wirt war ein freundlicher Mann, der neben seinem Italienisch nur drei Worte Englisch sprach. Ich orderte mir das Tagesmenü. Ein großer Teller Pasta mit leckerer Bolognese und einem Berg Parmesan sollte mir wieder Kraft geben. Scheinbar sah ich ausgehungert aus, denn der Wirt stellte mir eine große Schüssel vor die Nase. Ich schaufelte die extra große Portion in mich rein, schüttete noch zwei Cola drauf und wünschte zu zahlen.

Der Wirt stammelte lachend die Worte: „Oh, big Apetitto, big Apetitto“ und rieb sich lachend den Bauch.

Es war nicht nur der Hunger der mich trieb, ich wollte auch schnell weiter. Lange Pausen machen träge und meistens findet man den runden Tritt nicht mehr. Ich hatte zwar das Höhenprofil von diesem Tag nicht im Kopf, aber schätzungsweise hatte ich noch nicht einmal die Hälfte von den Höhenmetern, die ich bis zu meinen Tagesziel abspulen wollte.

Mit vollem Bauch setzte ich meine Tour fort. Der Radweg führte mich nun durch die schmalen Gassen der Vorstadt von Ponte di Legno und weiter auf die Staatsstraße.

Jetzt hieß es wieder schuften, der nächste Pass lag vor mir: der Passo del Tonale!

Eigentlich war der Tonale Pass mit einer Steigung von 6-7% gar nicht so wild, aber Temperaturen bis zu 40°C raubten Kraft. Unterwegs traf ich einen lustigen Zeitgenossen aus Barcelona. Er wäre vor 15 Tagen in Barcelona gestartet, wollte über die Alpen nach Italien und am Mittelmeer entlang zurück nach Hause. Eine ordentliche Tour!

Ich reduzierte mein Tempo und teilte einige Kilometer mit ihm. Zeitweise war durch die unterschiedliche Übersetzung mein Tritt einfach zu langsam, so langsam, dass ich in einen ganz lockeren Wiegetritt ging. Ich setzte mich vor ihn, um ihm das bisschen Windschatten zu geben.

So verstrich die Zeit ganz gut. Wir kamen zusammen oben am Pass an. Schossen noch ein paar Bilder, tankten Flüssigkeit und verabschiedeten uns mit den besten Wünschen.

Mittlerweile war der Himmel ziemlich zugezogen. Die Temperatur fiel bis auf 21°C, aber es blieb wie auf den letzten Metern am Anstieg schwül.

Vorbei am Denkmal an den ersten Weltkrieg und zwischen den wenigen Häusern hindurch folgte nun wieder eine schöne und kurvige Abfahrt.

Die Passstraße schlängelte sich am Berghang weit in die Schluchten hinein. Hinter den Leitplanken fiel das Gelände tief ab. Undenkbar, wenn man hier die Kurve nicht bekommen sollte und die Leitplanke durchbrechen würde.

Aber so bekam man wieder fast unendliche Aussichten geboten.

Es ging vorbei an einem alten Sperrfort, das Forte Strino. Dieses Sperrfort war eins der ersten dieser Art und wurde zwischen 1860 und 1864 von den Österreichern erbaut.

Ab hier sollte aber noch fast 20 km(!) Abfahrt folgen. Auf Dauer wird diese andauernde Konzentration auch anstrengend. Bremse lösen, rollen lassen, vor den Kurven wieder abbremsen… Mit Spitzengeschwindigkeiten weit über 60km/h rollte ich bis ins Tal nach Mezzana. Hier führte mich das Navi auf den Radweg bis nach Dimaro.

In Mastellina wollte ich einmal schlauer sein als das Navi von www.transalp-shuttle.com. Aber manchmal weiß die Technik nun mal am besten Bescheid wo es lang geht und ich endete in einer Sackgasse. Zum Glück war ich nicht besonders weit gekommen und ich musste nur wenige hundert Meter sinnlosen Weg in Kauf nehmen.

Aber so traf ich meinen Leidensgenossen vom Anstieg des Tonale Pass noch einmal. Ich überholte ihn noch ein letztes Mal. Wir wünschten uns am vorbei fahren nochmals viel Glück und ich zog mit meinem schnellerem Bike auf der ebnen Strecke davon.

Kurz darauf erreichte ich auch schon Dimaro, jetzt sollte mein letzter langer Anstieg für diesen Tag folgen. In Madonna di Campiglio sollte dann Schluss sein, dann war ich voll in meinem Zeitplan.

Es folgte zwar einr moderate Auffahrt, aber die wollte nach diesem Tag noch bewältigt werden. Das die Tagesetappe über 3000 Höhenmeter haben sollte, war mir im Vorfeld schon bewusst. Aber nachdem Stilfserjoch rechnete ich nicht mehr mit einem so harten Tag wie der zuvor.

Es folgten zunächst 8 Kehren. In meinem leichtesten Gang strampelte ich immer weiter. Ab und an schaltete ich in den 2 Gang, aber kurz darauf wieder zurück und kurbelte in einer höheren Trittfrquenz.

Zwischendurch trötete mein Smartphone, so wusste ich wieder, dass es noch Menschen gab, die mich live verfolgten und mich über die Runtastic-App motivieren wollten. Das gab einem natürlich noch einmal mentale Kraft.

Nach etwa fünf Kilometern erreichte ich Folgarida. Wie groß der Ort eigentlich war, bekam ich gar nicht mit. Ich streifte nur ein paar Hotels und dachte das wäre es auch schon im Großen und Ganzen gewesen. Das der Ort viel größer war, bekam ich erst im Nachhinein mit.

In diesem Moment war es aber auch egal, denn ich hatte ja mein Ziel. 900Höhenmeter waren zu bewältigen, das wusste ich noch aus dem Tourenbericht von Andreas Albrecht.

Jetzt verstand ich aber auch, warum Andreas seine Lust an dieser Steigung so schnell verschwand. Der Pass wollte einfach nicht enden.

Die nächsten fünf Kilometer waren geschafft, aber es war immer noch kein Ende in Sicht. Die Höhenmeter von diesem Tag machten sich langsam bemerkbar. Die Idee, evtuell doch noch etwas weiter zu fahren, wurde verworfen. Nein, heute werde ich auch nicht weiter fahren als vorgenommen. Wasser hatte ich noch genug, aber mein Magen begann so langsam nach festen Nahrungsmittel zu knurren.

So langsam kam ich auch wieder auf eine Höhe, wo noch Schneereste lagen.

Es war zwar dicht bewölkt, aber es blieb trocken. Die Temperatur war auch nicht weiter als die 21°C gestiegen. So lange es aufwärts ging, war es auch nicht weiter schlimm. Im Gegenteil, es war für eine lange Auffahrt die optimale Temperatur. Froh war ich, dass bei dieser Tour der zermürbende Gegenwind ausblieb.

Nach etwa 15 km und den bereits erwähnten 900 Höhenmeter, war ich auf 1682 Meter über dem Meeresspiegel, auf der Passhöhe angekommen.

Ich spürte, dass meine Beine langsam weich wurden. Und was sich auch wieder zurück meldete, war mein Hintern. Jetzt brannte er noch einiges mehr, als an den letzten Tagen.

Jetzt folgte noch eine 3 Kilometer lange Abfahrt. Der Fahrtwind kühlte mich sofort aus. Umso glücklicher war ich, als ich an dem Hotel Arnica ankam. Auch hier verließ mich nicht mein Glück. Ich bekam ein Zimmer. Zum Essen bekam ich die Pizzeria Le Roi empfohlen.

Nachdem ich meine alltägliche Prozedur mit Trikotwaschen und auswringen hinter mir hatte, duschte ich auch noch schnell und sprang fast aus der Dusche, als das Duschgel über mein wundes Sitzfleisch floss. Konnte ich in diesem Zustand am nächsten Tag überhaupt weiter fahren? Musste ich hier Zwangspausieren?

Da mein Hunger riesig war, bestellte ich mir eine große Pizza. Die war mit Weizenbier jedoch schnell weggespült. Mein Magen knurrte nach mehr. Scheinbar war er der Meinung ein Aperitif wäre angespült worden.

Als Tagesmenu gab es Rippchen. Eigentlich Spare-Rips, nur nicht gegrillt sondern ge-kocht. Dazu gedünstete kleine  Zwiebeln und an-gebratene Kartoffeln und noch weiteres Weizenbier. Auch dieser Teller war in kürzester Zeit weggeputzt. Selbst der Koch kam aus der Küche und schaute grinsend in meine Richtung. Scheinbar hatte das Personal über meinen Hunger gesprochen. Jedenfalls schauten sie über mein Essverhalten verwundert.

Ich musste meine Sitzposition immer wieder verändern und von eine Pobacke auf die andere wechseln. Fies, dass man diese Art von Wunden immer erst spürt, wenn es schon fast zu spät ist.

Ich eierte zurück ins Hotel, legte mich ins Bett und schaltete den Fernseher an. Jedoch bekam ich nicht mal mehr das erste Bild mit, denn ich war bereits eingeschlafen.

 

Daten: 

Distanz:                               121,01

Zeit:                                     7:08h

Höhenmeter                     + 3070

Höhenmeter                     – 2719

Steig Durchschn.             5 %

Steig. Max.                        15%

Tempo max:                      66,90 km/h

Tempo Durchschn.         16,95 km/h

Temperatur                       bis 39/40°C

 

 Finale

Wieder war ich vor dem Wecker wach. Ich konnte mich im Tiefschlaf ganz gut erholen. Selbst mein Hintern brannte nicht mehr so derbe, wie noch wenige Stunden zuvor.

Das Frühstück fiel nicht ganz so üppig aus. Ich vermisse ja schon das morgendliche Rührei. Seit München gab es höchstens mal ein gekochtes Ei, wenn überhaupt.

Bei strahlend blauem Himmel startete ich in die letzte Etappe. Sollte es wirklich die letzte sein?

Wenn alles gut gehen würde, sollte ich nach etwa 80km an meinem Tourenziel Torbole ankommen.

Zunächst konnte ich meine Etappe ohne große Anstrengung beginnen. Da mein Trikot morgens noch nicht durchgeschwitzt war, reichte die Windweste aus, um den kühleren Fahrtwind abzuhalten.

Der azurblaue Himmel, den Blick auf die schneebedeckten Gipfel und das Wissen, dass ich heute mein Tourenziel erreichen sollte, stimmten mich fröhlich.

2 Pässe warteten heute noch auf mich. Diese sollten aber nicht mehr ganz so hart ausfallen. Wenn ich auf die letzten Tage zurück blicke kann ich sagen, dass ich mich schön an die Pässe gewöhnt hatte. Ich denke, ich habe für mich persönlich ein ganz gutes Tempo gefunden, um auch die ewigen Pässe mit wenig Pausen zu erklimmen.

Aber noch ging es bergab. Kilometer für Kilometer rollte ich immer weiter nach Spiazzo. Nun bog ich aus dem Tal ab und fuhr auf den ersten Pass des Tages.

Zeitweise mit knackigen Rampen war der mit etwa 8km lange Pass nicht ganz so anstrengend wie zuvor gedacht. Ich fand aber auch gut in den Tag und hatte mich längst an lange Auffahrten gewöhnt. Ich fühlte mich blendend und war voller Vorfreude auf den Gardasee.

Bei der folgenden steilen Abfahrt wurde ich von wildem Hundegebell aus meinen Gedanken gerissen. Ich bremste vorsorglich mein Tempo runter. Dann sah ich zwei Hunde auf der Passstraße hin und her laufen. Warum war auch schnell klar, Hütehunde! Ein Schäfer war mit seiner Herde unterwegs, welche die steilen Hänge entlang der Straße frei fraßen.

Nach der nächsten Kehre stand ein Pickup mit einem Wohnwagen der Marke “Eigenbau“. Der Wohnwagen war zweistöckig. Unten die Hundeställe, oben drüber der Schlafplatz vom Schäfer. Doch war das Gespann nicht sauber am Straßenrand geparkt. Der Pickup stand direkt nach einer Kehre ziemlich schräg, und der Wohnwagen weit auf der Straße.

Es ging weiter steil bergab. Immer mit den Händen an der Bremse, wieder volle Konzentration. Dazu kam diesmal, dass die Straße mit teils frischem Schafskot übersäht war. Und darauf auszurutschen, wäre eine ziemlich besch… Angelegenheit geworden.

Im Tal angekommen, ging es über das kleine idyllische Örtchen Zuclo auf den nächsten Pass.

Aber jetzt war ich erst einmal von dem kleinen Ort begeistert.

Die Straße führte mitten über den alten Bauernhof, eng zwischen den Gebäuden hindurch.

Nun war schon Riva del Garda ausgeschildert, was natürlich meine Freude noch steigerte. Ich füllte noch mal meine Trinkflaschen und machte mich ohne groß aufzuhalten weiter auf den Weg.

Das Navi von www.transalp-shuttle.com leistete nach wie vor treue Dienste und führte mich Tag für Tag über meine Routen. Und nun war es fast geschafft, noch diesen und ein weiteren kleinen Pass, dann sollte ich so langsam in Richtung Gardasee rollen.

Nun wartete erst einmal eine steile Rampe. Als die bezwungen war, führte die Passstraße moderat auf 1000Meter übern Meeresspiegel weiter.

Hier war die Heuernte schon lange abgeschlossen. Nur noch auf einer kleinen Wiese lagen wenige Heuschwaden die darauf warteten, zu Ballen gepresst zu werden.

Es folgte eine Abfahrt auf das 400 Höhenmeter tiefer gelegene Fiave. Mir fiel auf, dass mir heute nicht mal eine Hand voll Fahrzeuge entgegenkamen. Radfahrer hatte ich an diesem Tag noch nicht einen getroffen.

  

Der Passo Duron und der Passo del Ballino lagen gerade mal 12 km auseinander. Nach den 400 negativen Höhenmetern, mussten wieder 100 geklettert werden. Also verhältnismäßig leicht kam ich auf dem Ballino an.

Jetzt wartete meine letzte Abfahrt mit einem Höhenunterschied von fast 700 Höhenmeter. Mit  diesem Höhenunterschied auf gerade mal 15km, kann man sich ja leicht ausmalen, dass es entsprechend rasant in Richtung Tourenziel ging.

Am Tennosee vorbei, fiel die Straße noch weiter ab. Mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 63km/h raste ich zum Lago di Garda. Ich war überwältigt. Ich hatte mein Ziel bis auf wenige Kilometer erreicht. Ich hatte mein Zeitplan halten können!

Nun konnte ich schon einen ersten Blick auf das Wasser werfen Die Freude in mir machte sich natürlich immer breiter. Nur noch ein paar Kilometer trennten mich vom Wasser.

Riva war erreicht, jetzt musste ich nur noch durch den Torbogen. Die enge Fußgängerzone runter zum Wasser…

Ich war am Gardasee!

Jetzt musste ich nur noch rüber nach Torbole. Was natürlich jetzt schnell passiert war.

Und ich hatte es erreicht, mein Tourenziel: Torbole sul Garda!

Überglücklich bin ich mit meinem Focus Mares CX2.0 und mittlerweile nur noch 6kg Gepäck im Zeitplan angekommen. Unbeschreiblich ist dieses Gefühl, es geschafft zu haben.

Dieses Gefühl, welches sich nach jeder Tour in dir breit macht und auf einen Schlag jeden Schmerz vergessen lässt!

Daten: 

Distanz:                               77,46 km

Zeit:                                     4:36 h

Höhenmeter                     + 1403

Höhenmeter                     – 2804

Steig. Max.                        15%

Steig Durchschn.             5 %

Tempo max:                      62,51 km/h

Tempo Durchschn.         17,24 km/h

Temperatur                       bis 42°C

 

Torbole

Nach meiner Ankunft in Torbole setzte ich mich zunächst in das Strand Café und trank einen leckeren Eiskaffee. Von der Terrasse aus blickte ich raus auf den See, beobachtete die zahlreichen Surfer und dem Treiben am Strand. Das Wasser war mit knapp 19°C schon ziemlich kühl zum Baden. Laut kreischend sprangen einige Jugendliche ins Wasser, um es sofort wieder zu verlassen.

Ich verbrachte etwa eine Stunde am See, aber ich musste ja noch eine Unterkunft suchen. Deshalb machte ich mich auf den Weg. Ich fragte bei zwei Häusern die Gästezimmer vermieten an, jedoch ohne Erfolg.

Da ich immer wieder an Schilder vorbei kam, die auf die Villa Emma hinwiesen, folgte ich dem Richtungsweiser und versuchte dort mein Glück.

Mein Glück sollte mich auch nicht verlassen. Und ich konnte ein Zimmer für mich ergattern. Die Zimmer waren nicht auf dem neuesten Stand, einen TV und Badezimmer hatten sie auch nicht. Aber mal zwei Tage, sollte man auch mit einer Etagen-Dusche/WC auskommen. Zumindest war es relativ günstig und das war ja auch viel wert.

Nachdem ich mein Rad sicher eingeschlossen und geduscht hatte, machte ich mich in ein nahegelegenes Waschcenter. Für ein paar Euros konnte man die Trikots in einer Maschine waschen. So wurden die Klamotten doch wenigstens mal wieder richtig durchgewaschen. Zumindest intensiver als die abendliche Handwäsche.

Nach einem Spaziergang am See, ließ ich den Abend in der hauseigenen Pizzeria in der Villa Emma ausklingen.

Am nächsten Morgen machte ich mich nach dem Frühstück auf zum See. Nach einem Spaziergang durch die Altstadt von Torbole setzte ich mich an das Wasser. So langsam musste ich mir Gedanken machen, wie ich überhaupt zurück nach München kommen sollte.

Die Wetterprognose war für die nächsten Tage eigentlich nicht die Beste. Gewitter und Regenfälle waren angekündigt. Doch ich hatte schon während der Fahrt längst entschieden, dass ich nicht die Option mit dem Zug auf den Brenner zu fahren in Anspruch nehmen würde.

Da ich die Rückfahrt im Vorfeld auch nicht plante, hatte ich jetzt auch leider das Navi nicht als Unterstützung. Ich konnte nur die Karte als Orientierungshilfe nutzen. Also entschloss ich mich den Spezialisten zu fragen. Ich schrieb Andreas Albrecht eine kurze Nachricht um ihn zu fragen, welche Route er empfehlen könnte. Das hörte sich doch schon mal gut an. Dann war ja meine Tour bis Innsbruck gesichert. Wenn ich noch Kraft hätte, wollte ich von Innsbruck in Richtung Seefeld und auf demselben Weg wie ich gekommen war zurück nach München.

Der Plan stand fest, jetzt ging es nur noch um die Zeitfrage. 2 oder 3 Tage?

Aber niemand wollte mir so recht Auskunft geben, in welchem Zeitraum die Strecke zu bewerkstelligen sein könnte.

Die Planung war nach altbewährter Art und Weise abgeschlossen. Anhand der fotografierten Karte suchte ich mir den empfohlenen Weg nach Rovererto. Von dort musste ich ja dann nur noch der Beschilderung des Radwegs folgen.

Ich machte mir noch ein ruhigen Tag in Torbole, ließ die Zeit an mir vorüber streichen und streckte die Glieder aus, und genoss die Aussicht am See…

… spazierte im engen Ortskern umher…

… bis es dunkel wurde.

Transalp die Zweite…

Nach einem mittelmäßigen Frühstück packte ich nach altbewährter Weiße meine wenigen Klamotten zusammen. Da ich an beiden Abenden in der hoteleigenen Pizzeria speiste und dazu noch am ersten Abend ein Antennenkabel vom Fernsehgerät (zum Fußball schauen) reparierte, bekam ich 10,-€ auf mein Zimmerpreis erlassen. Das freute mich natürlich.

Nachdem meine Runtastic-App gestartet, das Navi aktiviert und an den Lenkerhalter gesteckt wurde, rollte ich langsam die Straße runter. Mit ein wenig Wehmut steuerte ich nochmals an den Gardasee. Mit dem Wissen, das ich nicht das letzte Mal mit dem Fahrrad hier sein sollte, warf ich ein letzten Blick auf das Wasser und sagte vor mich hin: „Bis zum nächsten Mal…!“

Die Halterung an der Sattelstange hatte durchgehalten. Da die Packtasche etwas leichter war als am Tourenstart, war ich optimistisch, dass sie auch auf der Rückfahrt halten würde. Ich rückte den Rucksack auf bequeme Position und zurrte die Träger an.

Ich trat in die Pedalen. Die zweite Transalp war gestartet und für mich gab es nun kein Zurück mehr.

Ich fuhr ein letztes Mal durch den engen Ortskern von Torbole und auf die alte und steile Landstraße nach Nago. An der steilen Rampe warf ich nochmals ein Blick zurück. Eine atemberaubende Transalp lag hinter mir, und nun war ich bereits schon mitten in der Zweiten…

Der strahlend blaue Himmel lies natürlich meine Laune noch höher steigen. Der erste Anstieg ging mir leicht, in diesem Fall, von den Füßen. So erreichte ich schneller als erwartet Nago. Nicht mehr ganz so steil ging es bereits hier auf einem Radweg weiter über den Passo S. Giovanni. Weiter am Lago di Loppio vorbei nach Mori.

Die ersten achtzehn Kilometer waren nach fast einer Stunde geschafft. Ich rollte nach Rovererto. Das war jetzt meine erste Möglichkeit, wie im Vorfeld geplant, auf den Zug umzusteigen. Aber dafür war ich viel zu entschlossen München mit dem Fahrrad zu erreichen.

Der von Andreas Albrecht empfohlene Etschradweg war schnell gefunden, und ich nahm wieder Fahrt auf. Der Vorteil an den Flüssen ist nun mal, dass man keine Steigungen hat. Und wenn man außerhalb der Ortschaften ist, kann mit einem sehr akzeptablem Tempo vorankommen.

So sollte es auch an diesem Tag sein. Und da ich nach der zweiten Stunde bereits 45km verbuchen konnte, legte ich meine erste kurze Pause in Trient ein.

Eigentlich ging es mir nur um die Trinkflaschen. Da die Sonne wieder vom Himmel brannte, waren die ersten zwei schnell geleert. Und Quellen waren bis hier rar.

Nach Trient wechselte ich irrtümlicher Weise die Flussseite. Zunächst führte mich mein Weg auf einer kleinen ruhigen Landstraße. Der Beschilderung nach, führte sie zu ein Industriegebiet. Deshalb rechnete ich ja umso weniger damit, dass die Landstraße mit einer mittelständigen Firma endete und als schmaler asphaltierter Weg weiter führte. Aber auch hier ahnte ich noch nicht, dass der Asphalt bald enden würde.

Aber so sollte es kommen. Der Weg wechselte die Oberfläche von Asphalt auf Splitt. Wenig Später auf Naturboden. Da der Weg als Wanderweg deklariert war, wollte ich auch nicht mehr zurück fahren. Die unnötigen Kilometer hätten mich dann doch massiv geärgert.

Teils war der Weg wegen Steinschlag nicht mehr fahrbar. Zu große Steine lagen auf dem Weg. So folgte eine Schiebepassage. Links vom Weg ging es steil aufwärts, rechts floss die Etsch. Was soillte ich tun?

Ich war optimistisch, dass es irgendwie weiter gehen sollte. Zwar fing ich zwischendurch an zu zweifeln, aber der Weg konnte doch nicht ins Nichts führen. Und plötzlich wurde die natürliche Ruhe von einem Klappern gestört. Ich blickte auf und sah, dass mir ein älterer Herr mit einem fast genauso altem klapprigem Fahrrad entgegen kam. Wir grüßten uns freundlichen und das Klappern verschwand hinter der letzten Kurve.

Na dann musst es ja irgendwie weiter gehen.

Und das tat es auch. Plötzlich war der Naturweg wieder asphaltiert und als Radweg gekennzeichnet. Ich verlor dadurch zwar einige Zeit, aber es ärgerte mich irgendwie nicht sonderbar.

Nun fand ich auch wieder den ursprünglich gewählten Radweg. Ich konnte wieder kräftig in die Pedalen treten. Immer wieder kamen mir Tourenbiker mit dicken Sattel- und Packtaschen entgegen. Man was war ich froh, dass ich nicht die Kilos mitschleppen musste. Ich empfand schon die anfangs sieben Kilogramm als lästig. Nun hatte ich mich schon lange daran gewöhnt, aber mit mehr Gepäck wollte ich auf keinen Fall reisen.

Meine Trinkflaschen waren schon längere Zeit aufgebraucht. Seit ich nicht mehr in den Bergen unterwegs war, ist es mit erfrischenden Quellen rar geworden. Klar könnte ich vom Radweg abbiegen und einen kleinen Umweg in ein nahegelegen Ort in Kauf nehmen. Aber noch hatte ich keine Lust dies zu tun.

Ich hoffte auf mein Glück und es sollte mich nicht verlassen.

In der Nähe vom Lago de Fortezza fand ich ein kleines Restaurant. Da es sich direkt am Radweg befand, war es natürlich ideal und ich nutzte die einmalige Chance, um eine Pause einzulegen.

Mit Pasta und Cola und obendrauf einen doppelten Espresso, sammelte ich für den restlichen Tag Energie.

Bis nach Bozen konnte ich in dem flachem Flusstal der Etsch lang brausen. So konnte ich natürlich einiges an Zeit gut machen. Kilometer für Kilometer an mir vorbei ziehen lassen. Ich fragte mich, wie lange ich tatsächlich bis nach München brauchen würde.

In Bozen folgte ich nun einem weiteren Radweg, dem Eissackradweg. Dieser führte mich über Brixon in Richtung  Brennerpass.

Auch dieser Radweg ließ sich sehr gut radeln. Für eine willkommene Abwechslung sorgten zahlreiche Tunnel, die durchfahren werden sollten. In den Tunnel hatte ich den Vorteil, dass ich meistens einen schönen Luftzug im Rücken hatte, der mich quasi durch die Tunnel schob. Trotz alledem war nicht zu unterschätzen, dass ich seit Bozen stetig Steigung hatte. Mit ein bis zwei Prozent war es zwar nicht steil, aber dieser ständige Druck auf dem Pedal lässt auf Dauer auch die Muskeln weich werden.

Nur der Blick Richtung Brenner, der gefiel mir gar nicht mehr. Schwarze dicke Wolken hingen über dem Gipfel fest. Grelle Blitze erleuchteteten den bedeckten Himmel. Ob ich heute das Glück haben würde, dass der Himmel sich nochmals aufklaren würde?

Als ich den Himmel über mir betrachtete, verflog ziemlich schnell meine Hoffnung. Auch hier bedeckte sich der Himmel und vereinzelte, dicke Wolken zogen auf.

In Colma war es dann soweit. Die Wolken öffneten sich und es gab einen kurzen Regenschauer. An einem Spielplatz fand ich eine Hütte, wo ich unter einem Vordach Schutz suchen konnte. Hier traf ich eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter, die ebenfalls den Schutz gesucht hatten.

Als es aufhörte, setzte ich meine Tour fort. Kam jedoch nur zwei Straßen weiter und es begann der nächste Schauer. Nun flüchtete ich in ein betoniertes Carport direkt an der Hauptstraße. Das einzige Gute war hier, mein Ausblick war weitläufiger. Da es immer noch blaue Lücken zwischen den grauen Regenwolken gab, wollte ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass ich  mein Tag wegen dem Wetter beenden müsste.

Mein Glück verließ mich auch heute nicht. Zumindest noch nicht.

Der Himmel klarte auf und ich konnte bei schönstem Sonnenschein meine Tour fortsetzen. Das war also eine der Situationen, über die Andreas Albrecht über das Wetter schrieb. Das Wetter kann sich von einer Minute auf die andere ändern. Aber Regen sollte man lieber aussitzen… Wenn ich auf den Brenner schaute, hingen dort die dicken schwarzen Wolken fest.

So lange über mir die Sonne schien, wollte ich natürlich sehen, dass ich noch so weit wie nur möglich kam.

Und das Wetter zeigte sich wieder von der besten Seite. Gut gelaunt setzte ich meinen Weg fort. Kam durch die idyllischsten Ortschaften. Faszinierend fand ich die Wandmalereien an den Häusern. Regelrechte Kunstwerke schmückten die Fassaden.

Vor dem Lago Fortezza kam ich wieder einmal an einer der alten Bunkeranlagen vorbei. Was es geschichtlich auf sich hat, weiß ich nicht genau. Zu gerne hätte ich mal die Chance genutzt, um mir solch ein Bauwerk von nahem anzusehen und mehr über die Geschichte zu erfahren. Aber wie sollte ich denn nun über die Brennerautobahn kommen. So setzte ich meinen Weg weiter fort.

Wieder einmal waren meine Wasserreserven am Ende. Ich spürte wie mein Körper förmlich nach Wasser schrie. Aber auch hier im bergigen Gelände waren die Quellen rar. Nur zwei Mal fand ich an diesem Tag Möglichkeiten, am Radweg die Trinkflaschen aufzufüllen. Das war einmal vor Bozen, wo ein Brunnen direkt an dem Radweg lag. Dort traf ich ein älteres Pärchen aus Holland, mit denen ich mich kurz unterhalten hatte. Sie machten mit ihren rund 70 Jahren Camping- und Wanderurlaub. „Für lange Radtouren sind wir langsam zu alt…“ sagten sie lachend. „Man muss halt immer das Beste draus machen.“

Mit dem Rat alles mitzunehmen, worauf man gerade Lust habe und solange man es noch könnte, verabschiedeten sie sich von mir. Sie waren schon süß, die Zwei. Ich wünsche, sie haben noch lange die Kraft für ihre Unternehmungen.

Eine andere Quelle fand ich kurz nach der Mittagspause. Ein einsamer Baum mit einem Wasserhahn. Mitten im Etschtal direkt am Radweg. Ein junges Pärchen mit bestimmt weit über 30kg Gepäck und mit einem Hund, der einen eigenen Fahrradanhänger hatte, saßen im Schatten und pausierten. Wir kamen nicht ins Gespräch, aber ein freundliches „Hallo“ und „Auf Wiedersehen“ mit einem freundlichen anerkennenden Zunicken sagten, in diesem Moment viel mehr aus.

Offensichtlich waren sie schon längere Tage unterwegs. Irgendwie beneidete ich die Beiden. Diese Art Radreisen sollte ich mir vielleicht doch einmal durch den Kopf gehen lassen. Zumindest sollte ich es einmal versuchen mir viel Zeit für eine Tour zu nehmen.

Aber in diesem Moment war ich wieder abgebrannt. Kein Tropfen Wasser gaben meine Wasserflaschen mehr her und die Sonne brannte heiß vom Himmel. Viel Zeit wollte ich nicht vergeuden. Deshalb bestellte ich mir eine Cola, ein doppelten Espresso und ließ mir die Trinkflaschen mit Wasser füllen. Ich zahlte meine Zeche, verabschiedete mich freundlich und verließ die Gaststätte. Die erstaunten Blicke stachen mir regelrecht in den Rücken. Schließlich dauerte der Aufenthalt nicht länger als zwei bis drei Minuten.

Nun ging es Schlag auf Schlag. Dicke schwarze Wolken zogen über den St. Leonard. Oben auf dem Brenner war ohnehin noch alles Schwarz und die Blitze zuckten durch die Wolken. Wind kam auf und die Temperatur fiel, so dass ich schon eine Gänsehaut bekam. Ich rechnete damit, dass es ohnehin das Ende von diesem Tourentag sein würde und entschloss mich eine Unterkunft zu suchen.

Jetzt wo klar war, dass der Tag gelaufen war, mir immer kälter wurde und ich wusste, dass ich nicht mein erhofftes Ziel erreichen sollte, verlor ich natürlich meine Motivation und wollte gar nicht mehr weiter fahren. Ich kam an ein paar einzelnen Häusern und kleinen Bauernhöfen vorbei.

Da an einem Haus eine Großmutter ihr Enkel vor dem drohenden Unwetter ins Haus holen wollte, fragte ich nach einer Unterkunft. Ihre Tochter würde Zimmer vermieten, sie gehe schnell fragen und verschwand im Haus.

In der Zeit kämpfte ich mit dem nächsten Unheil, mit meinem Schuh. Irgendwo hatte ich eine Schraube von der Halteplatte an meinem Schuh verloren. Da sich diese nun drehte, kam ich nicht mehr aus der Pedale raus.

Dennoch bemerkte ich den prüfenden Blick der “Tochter“, wie sie kurz die Gardine wegzog und durch den Spalt spähte. Scheinbar war ich als Gast aber nicht gut genug. Die Großmutter kam kurz darauf wieder raus und versagte mir eine Unterkunft. Urlaub und Gäste, irgendwas stammelte sie vor sich hin und ließ mich im aufziehendem Regen und starkem Wind stehen.

Ich setzte meinen Weg fort in den nächsten Ort. Ein Schild zeigte zu einer Pension. Also wollte ich dort mein Glück versuchen. Ich klingelte bei dem Hinweisschild auf die Rezeption, kurz darauf kam eine Dame aus der Tür und erklärte mir, dass es Gästezimmer gibt, aber sie auch nur Gast wäre. Sie ging aber zurück ins Haus und holte den Besitzer.

Aber auch er wies mich gleich mit den Worten „Wir haben nur Gäste-Apartments für Feriengäste“ ab und lies mich förmlich im Regen stehen, indem er seine Frau und sein Kind ins Auto lud und davon fuhr.

Das habe ich ja noch nie erlebt und fragte mich, ob ich irgendein Ausschlag im Gesicht hätte, welcher auf einen schlimmen Virus hindeuten könnte!?

Ich setzte wieder meinen Weg fort. Irgendwann würde ja noch etwas kommen. Nur das Wetter machte mir gar keinen Spaß mehr. Es gab zwar noch keinen richtigen Regenschauer, aber das konnte sich jederzeit ändern.

Nun kam ich an dem Hotel Wieser vorbei. Von außen sah es schon Mal einladend aus. Also wollte es hier erneut versuchen. Genauso freundlich wie das Hotel von außen aussah, wurde ich auch innen von der Wirtin empfangen. Der angepriesene Ruhetag zählte nur für externe Gäste, die Hotelgäste sollten natürlich versorgt werden. Das war schon mal gut, weil es in dem kleinem Ort nix weiter gab, wo man sich hätte versorgen können.

Grillen wäre angesagt gewesen, aber das Wetter würde wohl eher einen Strich durch die Rechnung machen…

Bei einem kühlen großen Bier rätselten wir über das Wetter. Aber die Wirtin und ihr Mann machten mir keine Hoffnung mehr, dass es sich heute auch noch mal ändern könnte.

Also buchte ich mir ein Zimmer, verstaute mein Fahrrad in der Scheune und brachte mein bisschen Gepäck auf das Zimmer. Nachdem ich ausgepackt hatte, blickte ich auf einen strahlend blauen Himmel über dem Brenner. Nur noch wenige dunkle Wolkenfetzen hingen in der Luft.

Jetzt war es mir auch egal. Ich hatte mein Zimmer und was sollte ich jetzt noch Mal von vorne anfangen. Es sollte hier das Ende sein, vielleicht war es Schicksal, vielleicht sollte es einfach so sein… man weiß es nicht.

Da das Wetter umschlug, hatte ich natürlich Essenstechnisch Glück. Es gab frisch gegrilltes Fleisch!

Leider hatte ich meine App nach einer Pause nicht wieder aktiviert. So fehlten mir ein paar Kilometer. Aber das Navi und mein Tacho spuckten die Wahrheit schon aus.

Daten:                                                                               

Distanz:                               176,00km

Zeit:                                     7:27h

Höhenmeter                     + 1542

Höhenmeter                     – 690

Steig Durchschn.             4 %

Steig. Max.                        15%

Tempo max:                      49,52 km/h

Tempo Durchschn.         23,59 km/h

Temperatur                       bis 32°C

Tourenende

Nach einem großen Frühstück verabschiedete ich mich und rollte mit meinem Bike aus Stilfes. Der Himmel war blau, und die Sonne kletterte immer höher an den Himmel. Ich fragte mich, ob ich es heute bis nach München schaffen würde. Ob ich abends im Winters-Hotel in München ein schönes Weizenbier genießen könnte…

Weit durfte es nach meiner Rechnung nicht mehr sein, bis ich den Brenner-Pass erreichen sollte. Zumindest rechnete ich noch mit etwa 20km.

Zunächst führte mich der Radweg ziemlich flach an der Eisack entlang. Die Eisack ist der zweitgrößte Fluss in Südtirol und entspringt am Brenner. Natürlich führte er mich nicht durchgehend über so ein flaches Terrain, nur bis nach Strerzing sollte mir das Tal eine problemlose Fahrt bieten.

Durch die engen Gassen Sterzings war ich natürlich weg vom Fluß. Teils näherte ich mich ihm nochmals, dann war der Fluss jedoch nur noch ein kleiner Bach.

Von nun an musste ich ab und an einer kleinen Rampe kräftiger in die Pedale drehten. Aber im Großen und Ganzen verliefen die ersten Kilometer des Tages mit einer humanen Steigung. Schließlich folgte der Radweg zum größten Teil weiterhin die Trasse der ehemaligen Bahnstrecke.

Mir fiel auf, dass die Brennerautobahn über unzählige und hohe Brücken führt. Vor ein paar Jahren fuhr ich mit dem Auto nach Mailand, an die vielen Brücken konnte ich mich jedoch nicht mehr erinnern.

Die alte Bahntrasse führte nun erst einmal von der Brennerautobahn weg ins Pflerschtal. Fast durchgängig blieb man auf der alten Bahntrasse. Nachdem sie von der ehemaligen Route weg und an einem kleinen Bauernhof vorbei führte, musste man eine kurze und knackige Rampe bezwingen. Aber dann kam man an einem alten Tunnel vorbei und wusste, dass man wieder auf den Spuren der alten Dampfloks war.

Die restliche Strecke auf den Brenner war im Großen und Ganzen unspektakulär. Zwischendurch wurde man mit weiten Ausblicken belohnt.

Dann tauchte ein alter Bahnhof auf. Verlassen und vergessen zerfällt der Bahnhof Schelleberg (Moncucco) scheinbar nach und nach.

Meine erste Hürde war erreicht. Ich stand unter dem Hinweisschild, dass ich auf dem Brenner angekommen war.

Bis auf einen Outletstore und einem Freudenhaus ist der Brennerpass jedoch recht unspektakulär. Klar gab es noch die Möglichkeit einen Kaffee zu trinken, aber ich hatte jetzt kein Bedürfnis und wollte mich auch nicht lange aufhalten.

Also machte ich mich auf der alten Brennerstraße in Richtung Inssbruck. Auf den ersten Kilometern bis hinter Gries ging es flott abwärts. Nur zahlreiche Baustellen bremsten mich immer wieder aus.

Jetzt kam Wind auf, aber es war ja klar, dass dieser wieder in die falsche Richtung blies. Ein schöner Rückenwind hätte zu der kontinuierlichen Abfahrt gut getan. Mal mit mehr und Mal mit weniger Gefälle rollte ich immer weiter Richtung Ziel. Ob ich mein Ziel München erreichen konnte? Ich war mir selber nicht sicher.

Imposant steht die Europabrücke der Brennerautobahn mit einer Höhe von 190m auf ihren langen Stelzen. Immerhin ist sie seit ihrem Bau in den Jahren 1959 bis 1963 die höchste Balkenbrücke Europas.

Nach gut siebzig Kilometer erreichte ich Innsbruck. Zuerst wollte ich eine kleine Pause einlegen. In Anbetracht der Zeit entschloss ich mich jedoch, noch ein paar Kilometer runter zu spulen.

Ich radelte in die Stadt und schlug gleich die Richtung zur Inn ein. Nun musste ich nur noch nach Telfs, dann wäre ich wieder auf meiner alten Route, die ich gekommen war. Mir kam die Abfahrt von Seefeld in den Kopf. Da wartete noch ein hartes Stück Anstieg auf mich.

Der Inntalradweg war schnell gefunden. Ich radelte flussaufwärts und hoffte, dass der Radweg so gut ausgebaut bleiben würde. Das tat er auch und ich konnte nach der Stadt wieder an Fahrt gewinnen.

An der Inn entlang lief es auch wieder sehr gut, aber meine Wasserreserven waren mal wieder am Ende. Langsam machte sich auch mein Körper bemerkbar und wollte etwas Brennstoff in Form von Kalorien.

Kurz nach Pettnau kam ich an dem Biergarten “Gaudi“ vorbei. Mit ENDE der Durststrecke warb der Wirt auf seinem Werbeschild. Das war treffend! Hier wollte ich meine erste Pause einlegen.

Nachdem ich mich gestärkt hatte, setzte ich meine Tour fort. Ich zweifelte immer mehr daran, dass ich an diesem Abend in München ankommen würde. Telfs lag in greifbarer Nähe, dann sollte der Anstieg kommen, den ich mit einer langen rasanten Abfahrt noch zu gut in Erinnerung hatte.

Keine zwanzig Minuten später war ich an dem Kreisel, an dem die befürchtete Steigung beginnen sollte. Jetzt ging es hoch auf das Seefeld-Plateau. Jetzt befand ich mich wieder auf meiner alten Route und ich konnte mich wieder nach dem Navigationsgerät richten. Nun musste ich mich nur an die blaue Linie halten und der Weg würde mich direkt vor das Winters-Hotel in München führen.

Nach den ersten Höhenmetern blickte ich noch einmal zurück. In die Richtung, wo ich vor ein paar Tagen musste, um an mein Ziel, dem Gardasee, zu kommen. Kaum zu glauben, dass ich gerade Mal sechs Tage nach dem Tourenstart schon mit der zweiten Transalp auf dem Buckel an der Stelle stand, wo ich da noch nicht einmal genau wusste, was mich bei der ersten Transalp alles erwarten würde.

Der Himmel machte mir langsam Sorgen. Immer mehr Wolken zogen auf und bedeckten den Himmel. Hoffentlich würde das Wetter halten. Das es nicht mehr so heiß war, war zwar angenehm, aber Regen konnte meinen Plan in München anzukommen zerstören. Aber ich war mir ja noch nicht mal sicher, ob ich es überhaupt schaffen würde.

Es kam wie es kommen musste und die Wolken öffneten ihre Schleusen. Der Regen fiel mit dicken Tropfen vom Himmel. Ich rettete mich mit einer Mountainbikerin in einer Bushaltestelle. Da es sofort abkühlte, zog ich mir meine warme Jacke an. Da ich keine nassen Füße auf der Weitefahrt bekommen wollte, machte ich mit den Überschuhen und der langen Hose weiter.

Sobald es etwas nachgelassen hatte, setzte ich meine Fahrt fort. Ich überlegte, was ich machen würde, wenn ich wirklich nicht in München ankam. Das Zimmer war bestellt und reserviert. Ich müsste die Unterkunft absagen, eine kurze Etappe am nächsten Tag dranhängen und mit dem Zug heimfahren.

Aber das wäre auch irgendwie doof. Wegen wenige Kilometer bis München noch ein Tag dran hängen…

Falls ich es heute nicht schaffen würde, entschloss ich mich, dann würde ich bis Frankfurt durchfahren, das wären noch Mal zwei Tage zusätzlich.

Es dauerte nicht lange und die nächsten Tropfen fielen vom Himmel. Jetzt war es mir egal. Ich hatte meine Regenfesten Sachen an und ich radelte einfach weiter. Die Fahrt durch das Karvendelgebirge verlief viel besser, als erwartet. Selbst den befürchteten Anstieg von Telfs nach Seefeld verlief gut. Jetzt war ich schon kurz vor der Grenze nach Deutschland. Ein weiteres kleines Etappenziel an diesem Tag.

Ich passierte Mittenwald, radelte durch Krün und Wallgau. Zu gut konnte ich mich an den ersten Tag der Tour erinnern. Und selbst jetzt bei Regen, war ich noch genauso von der Landschafft und der Natur begeistert.

Da es ja häufig abwärts ging, gelangte ich auch recht flott zum Walchensee. Der wollte wieder zur Hälfte umrundet werden. Es war zwar noch bewölkt, jedoch hörte es auf zu regnen. So langsam schwitzte ich unter meinen Klamotten. Ich hatte das Ziel München immer noch nicht aufgegeben. So wollte ich keine Zeit verlieren und schwitzte lieber, als kurz anzuhalten um die Klamotten zurück in den Rucksack zu stecken. Der Walchensee ebenfalls recht flott umrundet und eine der letzten steilen Rampen wartete auf mich. Ich legte eine kurze Pause ein, um zumindest die Hose los zu werden. Um die Jacke auszuziehen war es doch zu frisch und ich hatte auch keine Lust auszukühlen.

Nun ging es wieder die Serpentinen zum Kochelsee runter. Weit über sieben Stunden war ich jetzt unterwegs. Ich versuchte die Distanz bis München abzuschätzen. In diesem Moment fiel es mir jedoch schwer, mich an die Etappe zu erinnern und ich konnte nicht mal mehr schätzen, wie lange ich von München hierher brauchte.

Mental war ich eigentlich optimistisch, dass ich es schaffen würde. Aber körperlich baute ich immer mehr ab. Meine Beine wurden irgendwie immer weicher. Klar, ich hatte schon eine beachtliche Strecke mit einigen Höhenmetern hinter mir. Aber ich wollte doch nicht vor der Dunkelheit schlapp machen?

Steile Anstiege brauchte ich nach dem Karwendel nicht mehr zu befürchten, doch die langen flachen raubten natürlich auch Kraft.

In Ebenhausen verlies mich die Kraft. Es konnte nicht mehr weit bis München sein, immerhin zeigte mein Tacho schon 208km an. Knapp zehn Stunden Fahrzeit hatte ich jetzt hinter mir. Aber so wie ich mich jetzt fühlte, wollte ich nur noch die Beine hoch legen, aber kein Tritt mehr in die Pedale tun.

Die Kilometer konnte ich nicht genau einschätzen, da die Beschilderung meist auf die nahegelegene Autobahn führte. Aber diese durfte ich ja leider nicht fahren.

So hielt ich Ausschau nach eine Tankstelle oder einem Kiosk wo man etwas kaufen konnte. Mein letzter Riegel war schon vor längerer Zeit gegessen, das letzte Päckchen Dextro vor noch längerer Zeit aufgebraucht.

Cola und Schokoriegel gaben immer ganz gute Energie, vielleicht sollte ich es heute doch mal mit einem Energie-Getränk in Verbindung mit, einem Schokoriegel versuchen… Dann kam ein rettendes Bistro. Da es so ziemlich alles in dem Bistro gab, fragte ich gezielt nach zwei Dosen Cola, 2 Redbull und nach 2 Snickers.

Ich wurde zwar mit großen Augen angeschaut, aber bis auf die Schokoriegel konnte ich versorgt werden. Anstatt Schokoriegel bot mir der Verkäufer zwei frische Schinkenbrötchen an. Die nahm ich natürlich auch dankend an.

Und der gewünschte Effekt kam. Ich fühlte mich noch mal fit und glaubte auch wieder daran, dass ich das Winters-Hotel erreichen würde.

Umso näher ich an München kam, umso flacher wurde es. Dann wurde ich von einem Roller überholt. Das war meine Gelegenheit Windschatten zu nutzen. Aufgeputscht vom Redbull und Cola klemmte ich mich hinter den Roller. Mit Geschwindigkeiten bis 45 km/h jagte ich dem Gefährt hinter her.

Als der Fahrer mich im Spiegel bemerkte, stieß er seine Mitfahrerin an. Die drehte sich gleich zu mir um und feuerte mich an sie zu überholen. Aber das war ja nicht mein Plan. Mein Plan ging aber dahingehend auf, das ich durch dem Windschatten und der Animatorin innerhalb kurzer Zeit einige Kilometer hinter mich bringen konnte. Kurz vor dem Ortschild bogen sie leider ab und ich setzte meine restliche Tour wieder alleine fort.

Dann passierte ich das Ortschild von München. Glücklich und überwältigt von meiner eigenen Leistung war der Rest in die Innenstadt nur noch ein Klacks. So erreichte ich auch bald das endgültige Ziel, das Winters-Hotel München!

Unglaublich, aber ich hatte es geschafft! Nur ganze zwei Tage vom Gardasee nach München, ich hatte es im Vorfeld selber nicht geglaubt! Aber das ist ja lange nicht alles!

2 Transalps in 7 Tagen! Meine erste Transalp überhaupt, und dann wurde spontan eine Zweite dran gehängt… ich war überglücklich… und mega platt!

Daten: 

Distanz:                               231,00

Zeit:                                     9:31h

Höhenmeter                     + 2183

Höhenmeter                     – 2593

Steig. Max.                        21%

Steig Durchschn.             4 %

Tempo max:                      62,40 km/h

Tempo Durchschn.         24,30 km/h

Temperatur                       bis 30°C

Zusammenfassung

Tag km Zeit Durchschn.-km/h Höhenmeter
156,19 7:26 20,96 1.958
140,91 7:21 21,70 2.775
111,07 6:22 16,74 2.896
121,01 7:08 16,95 3.070
77,46 4:36 17,24 1.403
176,00 7:27 23,59 1.542
231,00 9:31 24,30 2.183
1.013,64 49:11 15827

 Sponsoren

Ich bedanke mich bei meinen Sponsoren. Jede Person und jedes Unternehmen machte es mir überhaupt möglich, diese großartige Tour in Angriff zu nehmen!

Vielen Dank!!!

 

 

 

 

Danksagung:

An dieser Stelle bedanke ich mich bei meinen Sponsoren! Bei den Menschen, die an mich und meinen Unternehmen glauben und mich tatkräftig unterstützen! Und bei den Leuten die mich wieder über Runtastic verfolgen und anfeuern oder einfach über die Medienwelt mit mir fahren.

Herzlichen Dank an Gerhard Winter und Paul Kirchenheiter, der Geschäftsführung von den Winters-Hotels!

Herzlichen Dank an M. Hansen und dem B-O-C Team für die Mühe und dem Equipment!

Herzlichen Dank an das BikeMax-Team in Frankfurt!

Herzlichen Dank an Stephanie Bleicher von www.transalp-shuttle.com!

Herzlichen Dank an M.Röhl von Connex-Chain by Wippermann für die Unterstützung!

Und hier auch nochmal herzlichen Dank an das Biehler-Team, zuständig für Druck und Design des aktuellen Touren-Trikots!

Herzlichen Dank an Focus-Bikes, insbesondere an A. Krajewski. Da er mir bereits bei der letzten Tour das wesentlichste, nämlich ein super Fahrrad geliefert hat!

Herzlichen Dank an H. Mölcher für den Web-Auftritt

Herzlichen Dank an Fahrrad-Desch Laubach

und vielen, vielen Dank an alle Personen die mich rund um die Tour aus dem Hintergrund unterstützen!

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