Rund um den Finanzplatz 2014

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1.5.2014

Heute möchte ich den längst überfälligen Bericht, von meinem ersten Straßenrennen, an den Mann bringen! Schon viele Jahre vorher interessierte ich mich für dieses Event. Ich hatte jedoch nie ein passendes Rad zur Hand, da ich mich ja sonst auf MTB-Marathons fokussiere.

Dank der Winters-Hotel-Tour im vergangenen Jahr, und dem dazu gesponserten Cyclocross von Focus, sollte ich in diesem Jahr ein passendes Rad im Keller haben.

Durch eine  46er zu 11er Ritzelübersetzung  und der mangelnden Endgeschwindigkeit, machte ich mir im Vorfeld keine großen Hoffnungen auf ein gutes Ergebnis. Ich überlegte mir sogar ein “echtes“ Rennrad von einem Kollegen zu leihen. Zu groß wurde in den letzten Tagen das Ärgernis über mein Defizit.

Jedoch bekam ich davon abgeraten und sollte doch aufgrund des großen Sturzrisikos lieber mein eigenes Rad schrotten. Aber ich wollte ja nicht stürzen… Doch im “Worst Case“… mir war das Risiko zu groß und entschied mich doch für mein eigenes Rad, auch wenn meine geplante Alpenüberquerung im schlimmsten Fall leiden würde. Zur Not hätte ich ja noch ein MTB im Keller.

So verbrachte ich meine letzten Tage vor dem Rennen, mir einzureden das ich nur einmal dabei sein wolle. Und, dass das Rennen eigentlich als Trainingszweck für die besagte Trans Alp dienen sollte. Hin und her gerissen vom Ehrgeiz und der Vernunft rückte der Tag immer näher.

 IMG_3214Die Vorbereitungen für den großen Renntag liefen. Das Bike war geölt, die Trikots lagen bereit. Nur die Windweste…, die Werbung mit dem Flexdruck löste sich mal wieder…

Also noch mal das Bügeleisen an und wieder nachkleben. Wäre ja nicht das erste Mal gewesen. Doch dann kam das Malheur, Ich hatte das Bügeleisen in meinem Wahn nicht auf die kleinste Stufe gestellt! Und…

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Toll, das ärgert mich heute, fast zwei Wochen später noch in Grund und Boden. Die Weste hab ich geliebt! Mein Bester Schutz gegen Wind und Kälte, jetzt hing sie geschmolzen an meinem Bügeleisen!

Der Renntag kam, natürlich machte ich mich wieder mehr als Pünktlich in Richtung Eschborn auf. Schließlich brauchte ich auch noch ein paar Gels um unterwegs etwas Kraft zu tanken. Ich hätte sie einen Tag vorher mitnehmen können, wollte aber nachdem ich die Startunterlagen abgeholt hatte sowieso noch einkaufen. Leider hatten jedoch alle Geschäfte, wo ich sie sonst immer kaufte, keine mehr im Sortiment.

Ein Kaffee, ein Donut und mit den gewünschten Gels in der Tasche machte ich mich zurück zum Parkplatz. Luftdruck prüfen, das überschüssige Öl von der Kette wischen, langsam warm fahren… meine typische Prozedur vor dem Rennen…

Und schon wurde es Zeit sich in meinem Startblock anzustellen.

Da ich mich das erste Mal bei diesem Rennen angemeldet hatte, musste ich natürlich aus dem letzten Block starten. Es dauerte noch eine viertel Stunde bis die eiserne Barriere, die den Weg zur Piste versperrte, weggezogen wurde. Bis dahin war man an dem kühlen Tag schon wieder durchgefroren. Aber was soll´s, Trainingsfahrt…, kannst dir Zeit lassen um dich wieder warm zu fahren…

Es ging zunächst langsam rund um das Möbelhaus, dann über die Startlinie und das Rennen war frei gegeben. Weiter über den Zubringer auf die Schnellstraßen in Richtung Rödelheim. Ich redete mir ein, mich auf mein Tourentempo zu konzentrieren. Es waren immerhin 70 Kilometer die ich an der Ziellinie hinter mir haben sollte.

Da ich die ersten überholte, staunte ich bei einem kurzen Blick auf dem Tacho nicht schlecht. Fast 40 km/h zeigte das Ding an. Dabei war ich noch nicht mal wieder richtig warm. Einen nach dem anderen überholte ich!

Immer auf meinem Puls achtend überholte ich vor Rödelheim zwei laut schnaufende und schwitzende Kontrahenten. Das erfreute mich umso mehr, da ich mich in einem gesunden Gleichgewicht zwischen Luft und Puls befand. Dieses sollte also mein Renntempo bleiben.

Irgendwann überholte ich eine kleine Gruppe, einer der Teilnehmer rief den anderen Fahrern zu: „Auf diesen Zug springen wir auf und fahren mit“. Jetzt war mir bewusst das ich bis jetzt als Einzelfahrer unterwegs war. Von nun an aber eine immer größer werdende Gruppe anführte.

Gewarnt von den “jungen Wilden“ und den Unerfahrenen Mitstreitern bei einen Jedermann-Rennen, war ich mit der freien Position als “Anführer“ zufrieden. Ich hielt mein Tempo und der Rest nutzte mein Windschatten um Kraft zu sparen. Was soll´s!

So ging es durch Bockenheim und Heddernheim hoch über den Riedberg in Richtung Niederursel und Oberursel. Jetzt konnte die Gruppe natürlich aus der gesparten Kraft profitieren. Ich befand mich auf einmal mitten in der Gruppe. Eine Zeit lang gefiel es mir auch ganz gut, da ich jetzt an der Reihe war an der Steigung etwas Kraft zu sparen.

UnbenanntAber ich nannte die Teens nicht umsonst die “jungen Wilden“, denn jetzt fingen zwei oder drei Fahrer an, sich in der Gruppe noch untereinander den Schneid abkaufen zu wollen. In der Masse starteten sie immer wieder Überholmanöver. So, dass es das eine oder andere Mal verdammt eng wurde.

Das war mir nichts und ich zeigte mit einem kurzen Wink an, dass ich die Gruppe nach links weg verlassen wollte. Ich konnte mich sogar etwas absetzen und mit ein paar Metern Vorsprung Distanz halten. Kurz vor der Abfahrt nach Oberhöchstadt, überholte mich jedoch der ganze Trupp wieder. Jetzt zog es langsam die Kraft aus den Muskeln.

Die erleichternde Abfahrt wollte nicht länger auf sich warten lassen. Nun überholte mich eine männliche Person mit langem lockigem Haar. Da er an der ganzen Truppe vorbei rollte, dachte ich, den Zug nimmst du jetzt und klemmte mich an sein Hinterrad. Sein Windschatten zog mich mit. Über 60km/h und mit dem 46er Kettenblatt ausgetreten, rollte ich mit ihm an der kompletten Gruppe wieder vorbei.

Die zweite Runde durch die Stadt war eigentlich wie die Erste. Der angenehme Unterschied, ich wusste jetzt was für eine Steigung auf mich zukam. Ich drückte mir gerade ein Gel um ein wenig Kraft zu tanken, als es auf einmal einen fürchterlichen Knall neben mir gab. Mit lautem Fluchen verlangsamte sich der „Gast in meinem Windschatten“. Der Reifen war Platt!

Aber das war nicht der Erste, selbst vorm Start knallte es im Block. Ein Fahrer schaute, mit einer Luftpumpe in der Hand, ziemlich betröpfelt aus der Wäsche. Der Start war wohl vermasselt!

Die Steigung kam wie erwartet und ich fiel wieder etwas zurück. Wieder war ich mitten in der Gruppe und fühlte mich überhaupt nicht wohl. Zuviel Spurenwechsel und unnötiges Hin- und Herfahren gefiel mir in diesem Moment gar nicht.

Und dann kam das, was ich die ganze Zeit befürchtet hatte! Ganz rechts an der Leitplanke versuchte jemand zu überholen und ein anderer scherte plötzlich aus. Nach einem kurzen lauten Schrei, hörte ich nur noch wie Carbon über den Asphalt schlitterte und irgendwas in der Leitplanke einschlug.

Mir reichte es, auch wenn ich wieder von dem Sog profitierte. Das war mir das Ganze nicht Wert und ich war mit meiner bisherigen Leistung ohnehin zufrieden. Zwar konnte ich als Einzelfahrer nicht mehr mit der Gruppe mithalten und musste sie ein ganzes Stück ziehen lassen, aber so hatte ich wieder meine Ruhe. Auch wenn so langsam meine Beine kein Saft mehr geben wollten.

Der Höchste Punkt der Strecke war wieder erreicht. Ich legte mich tief auf das Fahrrad um so wenig Luftwiderstand wie nur möglich zu haben und trat wieder so schnell, wie es schneller hätte nicht gehen können.

Die von dannen gezogene Gruppe löste sich auch auf und ich konnte die ersten schon wieder überholen. Jetzt kam der Ehrgeiz oder der Wahn wieder durch. Mit aller Kraft versuchte ich noch so viele Plätze wie nur möglich gut zu machen. Jetzt war die Ziellinie in Sicht, immer noch zwei Kontrahenten in greifbarer Nähe… da geht noch was!

Ich konnte Sie erreichen und auf den letzten Metern vor dem Ziel überholen!

Mehr als zufrieden empfing ich meine Medaille und gab den Transponder zurück. Jetzt war ich gespannt auf das Ergebnis. Dem Gefühl nach lief es weitaus besser als anfangs gedacht. Aber das Ergebnis erstaunte mich noch viel mehr:

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70km in 1:52.39,7

82. Rang in meiner Altersklasse (240 gesamt)

300. Rang von allen Teilnehmer auf der 70km Strecke

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Das Bier lies ich mir dann natürlich schön schmecken… 😉

Mit freundlicher Unterstützung durch:

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