Hanau

Ein neuer Tag, eine neue Tour, wieder wollte ich ein Ziel von den 20 schönsten Orten Hessens anfahren. Da es sich anbot, im Anschluss einen Abstecher zu meiner Familie zu machen, wählte ich Hanau.
Es sollte heute eine schöne MTB-Tour werden – auch wenn ich die Tour über Komoot als Gravel-Tour geplant hatte.
Es haben mich bereits Leute angesprochen, ob ich dem Gravel-Wahn verfallen sei. Doch hierzu muss ich sagen, dass ich meine Touren nicht nach Fahrradtyp, sondern nach der Fahrbarkeit plane. Nachdem „Gravel“bei Komoot als Option eingeführt wurde, habe ich damit die besten Erfahrungen gemacht. In der Regel sind die Strecken dann auch mit einem gewöhnlichen Tourenrad fahrbar. Außerdem gebe ich in meinen Berichten ja auch immer an, welche Räder ich bei den Touren empfehle. Bei dieser Tour kann ich das ganz normale Tourenrad empfehlen – dazu aber später mehr.

Los ging es wie immer an meinem Heimatort. Durch das Horlofftal führte mich der Weg nach Villingen, vorbei an der alten Zellmühle, hinauf zum Mühlberg, dem ehemaligen Erzabbaugebiet der Firma Buderus. Wenn das Relikt aus dieser Zeit nicht noch stehen würde, könnte man im Wald dennoch erkennen, dass die Aufschüttungen nicht aus der Laune der Natur entstanden sind – das sieht man links und rechts des Weges.

Auch jetzt führte mich die Strecke weiter durch das Horlofftal. Nachdem ich einen Bekannten traf und kurz ein nettes Gespräch führte, setzte ich meinen Weg fort. Auf dem Inheidener See war an dem sonnigen Tag schon reger Betrieb. Neben den Sonnenanbetern waren auch einige Ruderer in kleinen Booten auf dem See unterwegs.
Immer auf guten und asphaltierten Wirtschaftswegen ging es über Echzell und Gettenau durch das Bingenheimer Ried. An den Seen waren tausende Wasservögel und machten einen riesigen Lärm.

Am Flugplatz Reichelsheim vorbei ging es immer weiter dem Ziel entgegen. Die Hälfte der Strecke war immerhin geschafft.
Nun sollte es aber nicht mehr so schön flach bleiben. Jetzt erwarteten mich die bedeutenden Höhenmeter der Strecke, aber auch der wenige bewaldete Teil.
Über gut ausgebaute Waldwege ging es trotz der Höhenmeter weiterhin gut voran. Für das sonnige Wetter und den ersten richtig warmen Tag war ich allerdings viel zu dick angezogen. Wenigstens die lange Hose konnte ich ausziehen und in meine neue Satteltasche packen – eine Tasche, die ich im Angebot zu einem passablen Preis ergattern konnte.
Der Hinweis, dass die Tasche hin und her pendeln könnte, bestätigte sich bisher nicht. Allerdings hatte ich sie auch noch nicht besonders voll gepackt und ragte nicht allzu weit über den Sattel hinaus.
Wo es bergauf geht, geht es in der Regel auch wieder runter. An der ersten langen Abfahrt konnte ich meinen heutigen Geschwindigkeitsrekord mit 63,2 km/h aufstellen. Die Aussichten auf dem Bergkamm, der das Rhein-Main-Gebiet, den Spessart und zum Teil die Wetterau voneinander trennt, waren beeindruckend. Auf der einen Seite der Spessart, auf der anderen der Taunus und seine Ausläufer …




Auf der Anhöhe kam ich am Wartbaum vorbei. Der in der Nähe von Nidderau stehende Eichenbaum soll um 1600 gepflanzt worden sein. Wenn dieser Geschichten erzählen könnte, hätte er bestimmt einiges zu berichten – und der Mensch könnte vielleicht einiges besser machen als es momentan vielleicht läuft…
Auch Mittelbuchen hatte ein paar Relikte aus der Vergangenheit, so wie das alte Stadttor aus etwa 1840. Ein Wunder, dass die Eiche nicht dem großen Holzbedarf der damaligen Zeit zum Opfer gefallen ist.



Mein erstes Ziel war Hanau-Wilhelmsbad und das Schloss Philippsruhe. Von dort aus fuhr ich in die Innenstadt – vorbei an einigen der ältesten Häuser, die nicht wie große Teile der Hanauer Innenstadt den Bomben des Zweiten Weltkriegs zum Opfer fielen.


Die Innenstadt war einem Samstagnachmittag entsprechend sehr voll, und ich hatte nicht viel Lust, mir alles anzusehen. Außerdem kenne ich Hanau gut und wollte es mir einfach ersparen.
Aber, es war wieder einmal geschafft: Ein weiteres Ziel der 20 schönsten Orte Hessens waren erreicht.
Eine schöne Tour von rund 62 Kilometern, die mit jedem Fahrrad (außer einem Rennrad) gut fahrbar ist.
Ich habe mit kleinen Fotopausen und einem Schnitt von 18,2 km/h gut 3:20 Stunden gebraucht.


































