Die 20 Orte Hessens… Büdingen

Die nächste Tour führte mich diesmal wieder zu einem der „20 Orte Hessens, die man unbedingt gesehen haben muss“ – nach Büdingen. Die Wetterbedingungen waren zunächst nicht perfekt: ein windiger Morgen, dazu kaum Aussicht auf strahlenden Sonnenschein. Da am Abend noch ein Nachtdienst anstand, war ohnehin klar, dass ich es ruhiger angehen lassen würde.
Die Entscheidung fiel auf das E-Bike – lange nicht gefahren und genau das Richtige für eine hügelige Strecke in bekannter Umgebung. Ein zusätzlicher Pluspunkt: In Büdingen konnte ich mich mit meiner Familie zum Kaffee verabreden. Nach einem kurzen Check von Akku, Reifen und Technik ging es schließlich los.
Gleich zu Beginn wartete die erste Herausforderung: der Anstieg über den Langeberg hinauf zur „Schönen Aussicht“. Ein Ort, der Erinnerungen weckt – früher als ich noch ein kleiner Junge war, konnte man von hier aus bis nach Frankfurt und in den Taunus blicken. An diesem Tag blieb die Fernsicht wegen den groß gewordenen Bäumen zwar aus, doch die Atmosphäre hatte ihren ganz eigenen Reiz.



Die anschließende Abfahrt ins Silbachtal bei Gonterskirchen sorgte für den ersten Adrenalinschub. Ohne die Route im Detail angeschaut zu haben, führte mich der Weg wie erwartet über Stornfels, Ulfa und Kohden nach Nidda. Dort entschied ich mich bewusst für die kleine Altstadt – und wurde mit einer bislang unbekannten Seitengasse voller schöner Fachwerkhäuser belohnt. Genau diese versteckten Ecken machen für mich den Reiz solcher Touren aus.



Kurz vor dem Start hatte mich ein Landwirt auf einen Brand bei Ranstadt aufmerksam gemacht. Schon aus dem Niddatal war die Rauchwolke sichtbar, sodass ich einen kleinen Umweg einlegte, um mir aus der Ferne ein Bild zu machen. Ein nachdenklicher Moment, der die Tour kurz innehalten ließ.
Zurück auf der Strecke folgten weitere Anstiege – fordernd, aber dank der Unterstützung des E-Bikes gut zu bewältigen. Die Belohnung ließ nicht lange auf sich warten: schnelle Abfahrten, bei denen ich Geschwindigkeiten von über 50 km/h erreichte. Der Höhepunkt folgte zwischen Aulendiebach und Wolf: beeindruckende 71,2 km/h auf einer langen, steilen Passage – begleitet von einem amüsierten Kopfschütteln eines Anwohners am Ortseingang.

Nach einer letzten Steigung erreichte ich schließlich mein Ziel: Büdingen. Eine beeindruckende Stadt mit nahezu vollständig erhaltener Altstadt, mächtigen Befestigungsanlagen und unzähligen kleinen Gassen, die zum Entdecken einladen. Besonders das Jerusalemer Tor und die historischen Fachwerkhäuser verleihen der Stadt ihren unverwechselbaren Charakter.
Auszug aus der Homepage Historisches Büdingen:
Historisches Büdingen
Wer Büdingen betritt, begibt sich auf eine Zeitreise.
Büdingen zählt heute zu den am besten erhaltenen historischen Stadtbildern Deutschlands. Nach einem Besuch im Mai 1952 adelte es Albert Einstein mit den Worten:
„Ein Stück Mittelalter, gezeigt von seiner attraktivsten Seite.“
Da die Stadt am Ostrand der Wetterau fast schadlos die Wirrnisse der Vergangenheit überdauert hat, bietet ihr geschlossenes Ortsbild den seltenen Glücksfall, eine über Jahrhunderte organisch gewachsene Entwicklung nachzuerleben.
Der Besucher erfährt, wie im Schutze der Burg des Ysenburger Grafenhauses seit dem Hochmittelalter ein aufstrebendes Städtchen entstand. Aus Burgmannensitzen vor der Residenz wurde eine bürgerliche, von Privilegien geschützte Stadtgesellschaft, die sich zur Spätgotik ein großes Rathaus, die kunstvoll gestaltete Marienkirche sowie repräsentative Fachwerk- und Steinhäuser leisten konnte.
Auf dem Höhepunkt dieses Aufstiegs löste im ausgehenden Mittelalter ein mächtiger Befestigungsring die erste, ebenfalls teilerhaltene Stadtmauer ab. Die gut zwei Kilometer lange, ringsum abgehbare Bastion mit ihren 22 Türmen gilt heute als eines der besten Beispiele für den veränderten Festungsbau seit Aufkommen von Feuerwaffen. Zugleich ist sie Zeugnis eines gewandelten Selbstbewusstseins, das Wehrhaftigkeit mit Kunstfertigkeit zu verbinden wusste. Den Hauptzugang, das doppeltürmige Jerusalemer Tor, ziert eine filigrane Maßwerkbrüstung.
Quelle: Historisches Büdingen
Die rund 45 Kilometer lange Strecke bot eine abwechslungsreiche Mischung aus Asphalt, gut ausgebauten Waldwegen, einem kurzen Singletrail sowie einer Passage über einen Wiesenweg. Für Gravelbike-Fahrer ist sie durchaus reizvoll, verlangt jedoch an einigen Anstiegen eine passende Übersetzung.
Da ich mir Zeit ließ und immer wieder anhielt, um Eindrücke festzuhalten, benötigte ich etwa 2:15 Stunden für die Tour. Der Rückweg erfolgte aufgrund des anstehenden Nachtdienstes mit der Bahn – ergänzt durch die letzten Kilometer bis nach Hause. Insgesamt standen am Ende wieder rund 50 Kilometer auf der Uhr.
Link zur Tour: Komoot
Eine Tour, die trotz unscheinbarer Wetterbedingungen mit vielen schönen Momenten, kleinen Entdeckungen und sportlichen Highlights überzeugt hat.











